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  Monsieur Mardi-Gras - Unter Knochen 01 - Willkommen | Éric Liberge
 
 
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Monsieur Mardi-Gras - Unter Knochen 01 - Willkommen
Éric Liberge

Splitter, 2008 - 64 Seiten

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Armer Yorick - Ich kannte ihn gut!

Band 1: Willkommen!

An manchen Tagen meint es das Schicksal einfach nicht gut mit uns. Victor Tourterelle hätte entweder die Augen aufmachen oder seinem Sohn verbieten sollen mit seinem Spielzeugauto im Bad zu spielen. Eines morgens rutscht er auf eben jenem Plastikobjekt aus und bricht sich unsanft das Genick am Badewannenrand. Unversehens findet er sich in einer Kreidewüste wieder. Staub und Geröll bis zum Horizont, der Himmel pechschwarz verdunkelt als sei hätte sich der Inhalt eines Tintenfasses darüber ergossen. Erhellt wird die Welt lediglich von einem fahlen Mond, der ebenfalls den Eindruck macht als sei er den Weg alles Irdischen gegangen. Einzig die Gebeine sind von Victor noch übrig geblieben. Nach einigen Tagen taucht ein weiteres Skelett auf, das ihm mitteilt es sei ein Postbote und müsse ihn nach Sainte-Cecile bringen und Victor laute nun auf den Namen Mardi-Gras Aschermittwoch. Als er dann alleingelassen ohne Plan in der Stadt strandet, von zwielichtigen Gestalten in Quecksilber getaucht wird und man ihm seine Schädeldecke aufsägt platzt Mardi-Gras der Kragen. Er muss raus aus dem Irrenhaus!

Éric Liberge präsentiert mit "Unter Knochen" eine düster humorige Version des Jenseits, die trotz des bislang eher spartanischen Settings auch auf optischer Seite über die ersten 63 Seiten der auf vier Bände angelegten Geschichte zu überzeugen weiss. Die Farbpalette ist aufgrund des Themas relativ eingeschränkt, lediglich die metallischen Beschläge, mit denen Knochen repariert werden, sorgen für etwas Abwechslung. Zudem erinnern die Landschaften frappierend an Designs, die auch aus Moebius Feder stammen könnten, was selbverständlich als Kompliment zu werten ist. Insgesamt krankt die Geschichte nur unter allgemeinen Tatsache, dass auf rund 60 Seiten nicht allzuviel Geschichte erzählt werden kann und beinahe nur Fragen gestellt werden, aber Antworten schuldig bleiben. Potential ist reichlich da. Mit Band 2 im Dezember werden wir etwas schlauer sein und wissen ob es sich lohnt den Abenteuern von Mardi-Gras weiter zu folgen.


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Einer wunderbar groteske, philosophische Geschichte...

...ist Liberge, dem Zeichner von "Unter Knochen" mit letzterem gelungen.

Die Figuren sind so herrlich menschlich, trotz ihrer ungewöhnlichen Erscheinung und den ebenso ungewöhnlichen Lebensbedingungen denen sie ausgesetzt sind.
Und wie das auch im echten Leben so ist, hat selbst der Held der Geschichte "Mardi-Gras Aschermittwoch" seine Fehler und Eigenschaften, die es ihm in der Unterwelt (?) nicht gerade leicht machen. Alles in Allem ist er sogar zeitweise ein recht unangenehmer Zeitgenosse, den man aber trotzdem liebgewinnen kann.

Zur Geschichte:
Victor Tourtelle ist auf einem Spielzeugauto seines Sohnes ausgerutscht und hat sich das Genick gebrochen.
Angekommen in dem was er für die Hölle hält, muss ers erstmal mit der Einsamkeit in einer kargen Wüste und der Tatsache das ihm von seinem Körper nur noch die Knochen geblieben sind fertig werden, als dann plötzlich der Postbote Nr.23 erscheint um ihm mit zu teilen, das er von heute an den Namen Mardi-Gras Aschermittwoch (gestorben zwischen eben diesen Feiertagen) trägt und ihm ein Schreiben mit den wichtigsten Daten seines Todeszeitpunktes überreicht, schlägt die Einsamkeit in Zorn um. Doch die Aussicht auf eine grosse Stadt mit anderen, mehr oder weniger lebendigen, Artgenossen, in die Postbote Nr.23 ihn zu bringen bereit ist, beruhigt ihn etwas.

Schliesslich stellt Aschermittwoch mit grauen fest, dass es sich bei Allem, was den Bewohnern dieser Welt aus der Welt die sie mit dem Tode verliessen geblieben ist, sämtliche Schlechtigkeiten letzterer darstellt. Die Skelette der Unterwelt (??) trinken und essen Quecksilber, Säuren und andere Giftstoffe, obwohl sie keinen Hunger verspüren, aber besser eine Lüge zu leben, als sich mit der Wahrheit, mit dem Tode, ab zu finden.
Das Wertvollste in dieser verrückten Welt sind intakte Knochen. Verliert einer ihrer Bewohner seine Eigenen, so versucht er sich meistens mit irgendwelchem Unrat zu flicken, der dort zu genüge herumliegt.

Achja und da wäre noch Kaffee. Das einzig angenehm Vertraute, was den Bewohnern dieser Welt geblieben ist und so kostbar wie eine Seele.


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Kafkaeske Perle

Genau um Mitternacht, zwischen dem 11. und 12. Februar 1997 rutschte der Kartograph Victor Tourterelle auf dem Spielzeugauto seines Sohnes aus, fiel unglücklich auf die harten Kacheln des Badezimmerbodens und verstarb noch am Unfallort.

Wie bei den meisten von uns sind seine Vorstellungen vom Nachleben nicht besonders genau. Daß er aber in einer weiten nächtlichen Wüste erwachen und dort von einem Skelett mit Postbotenuniform und Fahrrad begrüßt werden würde, überraschte ihn dann doch. Zum Skelett ist er auch selbst geworden, wie auch die anderen Bewohner dieser seltsamen Welt. In einer riesigen Stadt hausen sie, dichtgedrängt, geschäftig. Seltsame Namen tragen sie, nach dem Tag ihres Todes. Monsieur Mardi-Gras Aschermittwoch heißt Tourterelle fortan, weil er genau zwischen Faschingsdienstag (eben: Mardi-Gras) und Aschermittwoch verstarb.

Knochen wachsen nicht nach: Fehlt einer, fehlt er für die Ewigkeit. Kein Wunder, daß Ersatzteile heiß begehrt sind. Oder auch die Knochen anderer Unglücklicher. Auch seltsame Speisen und Getränke bieten die Nachlebensbewohner an: Quecksilber zum Beispiel. Ungesund? Für die Lebenden vielleicht...

Kaffee. Kaffee ist das begehrteste Gut: Ab und an bringt ein Neuankömmling ein paar Bohnen mit. Den Toten ermöglichen sie, noch einmal für ein paar Sekunden an den Genüssen und Gefühlen der Welt der Lebenden teilzuhaben, kostbare Erinnerungen aufzufrischen. Tourterelle hatte aber noch etwas anderes im Gepäck: Sein Arbeitswerkzeug - sein Kartographiebesteck.

Und das wiederum beschert Monsieur Mardi-Gras Aschermittwoch die Aufmerksamkeit einflußreicher Leute, die ihre ganz eigenen Pläne verfolgen...


Eine nachtschwarze Nachwelt für Kafka-Fans, schwarzhumorig und trotzdem mit Ernst und Hintersinn erzählt: Der Auftakt der Reihe "Unter Knochen" gehört zu den ungewöhnlichsten graphischen Erzählungen der letzten Jahre. Eric Liberge entführt den Leser in eine aberwitzige Welt, die er mit detaillierten Schwarz-Weiß-Zeichnungen und vielen Einfällen zu eigenartigem "Leben" erweckt. Touterelle, pardon: Mardi-Gras Aschermittwoch, hat große Schwierigkeiten, sich im streng reglementierten Totenreich einzuleben. Hin und hergerissen zwischen den Selbstverständlichkeiten seiner alten und seiner neuen Welt, stolpert er unfreiwillig in die Konflikte, Intrigen und Pläne seiner Mitskelette.

Trotz des ungewöhnlichen Hintergrunds bleibt die Geschichte folgerichtig und plausibel, billige Gag- oder Gruseleffekte hat Liberge sich und seinen Lesern erspart. Die realistischen Zeichnungen sind superb, einige wuseln vor (Nach-)Leben, und die vielen durchdachten Details geben der Stadt der Toten und ihren Bewohnern Glaubwürdigkeit.

Die Übersetzung ist gut gelungen, Einband und Druck sind hervorragend. Wer Spaß an anspruchsvollen Comics hat und bereit ist, sich einmal auf eine fremdartige und sehr eigene kafkaeske Nachwelt einzulassen, sollte diesen Comic (und seinen Nachfolgeband) nicht verpassen. Wer ebenso makabre wie gelungene Schwarz-Weiß-Zeichnungen mag, findet hier ebenfalls eine echte Perle.


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Mit nichts als schwarzer Tinte . . .

Was für ein Szenario! Mit nichts als schwarzer Tinte zeichnet Éric Liberge ein Bild einer unwirklichen Welt, die nicht Himmel, nicht Hölle zu sein scheint, aber doch die Verstorbenen der Welt enthält. Sein "Held - Mardi-Gras Aschermittwoch" (wörtlich übersetzt Fetter Dienstag, wie der Faschingsdienstag in Frankreich heißt), just in der Nacht zum Aschermittwoch verstorben - ist ein bloßes Skelett. Und im gesamten Comic wird der Leser auch nicht anderes entdecken als Skelette, eine fahle, einsame Gegend und eine seltsame Stadt, die ein Abbild einer irdischen Stadt zu sein scheint. Das ist wenig, sehr wenig.

Und doch, man kann sich der Faszination dieser Geschichte nicht entziehen. Nicht nur, weil es dem Texter und Illustrator Liberge gelingt, den Skeletten Seele, Ausdruck und Qual zu geben, sondern auch, weil es sich immer mehr um ein hintergründiges, spannendes und sehr, sehr merkwürdiges Abenteuer handelt, das man so noch nie zu lesen und zu betrachten bekam.

Kein einziges Bild ist stereotyp, keine Seite ohne Überraschungen. Zu keiner Sekunde kann man sich ausmalen, wohin die Story sich entwickelt, was hier eigentlich Gegenstand der Erzählung ist. Geht es um eine Abrechnung mit den Vorstellungen der Weltreligionen? Ist dies ein Mystery-Thriller oder eine absurde Persiflage auf Endzeitromane? Hat man Grund zu lachen, ist dies Ironie oder Sarkasmus oder bereits zersetzende Gesellschaftskritik?
Ein wenig mischt sich in die Begeisterung über dieses abgedrehte Szenario Enttäuschung. Zu unbestimmt entwickelt sich alles, zu wenig wird erklärt, zu sehr bleibt der Sinn im Dunkeln. Immer wieder wird die Geschichte allein dadurch voran getrieben, weil ihr "Held" cholerisch an den Umständen zweifelt und sein Schicksal vehement ablehnt, immer wieder benimmt er sich wie die Axt im Wald, bekommt unweigerlich großen Ärger. Nur um eine Seite später wieder einen Tobsuchtsanfall zu bekommen und wieder Ärger zu bekommen.

Dennoch, oder gerade weil der Kreateur dieser düsteren, traurigen und gottverlassenen Welt sich jeder Konvention, Erzähltradition oder rotem Faden verweigert, legt man den überlangen und in bestechender Druckqualität aufgelegten Comic voller Ungeduld zur Seite - wie geht es bloß weiter mit "Mardi-Gras Aschermittwoch"? Was für ein Schicksal hat wer ihm zugedacht und wie kann er ihm vielleicht entrinnen? Die auf vier Bände angelegte Serie - in Frankreich zwischen Juni 2004 und September 2005 erschienen - wird jedenfalls eine große Fangemeinde erwerben - und große Abscheu, denn nicht jedem wird dieses Szenario rund um geistreiche Knochengerüste gefallen.



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