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  Buch: Sieben Parks in der Prignitz | Bernhard von Barsewisch, Torsten Foelsch
 
 
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Sieben Parks in der Prignitz
Bernhard von Barsewisch, Torsten Foelsch

Bäßler, 2004

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7 Parks in der Prignitz

Sieben Parks in der Prignitz - Geschichte und Zustand der Gutsparks der Gans Edlen Herren zu Putlitz

Die Familie Gans zu Putlitz kam mit dem Wendenkreuzzug 1147 in die Prignitz und besaß bis zu ihrer Vertreibung 1945 in diesem ihrem ehemaligen Kolonisationsgebiet noch sieben Güter: Putlitz-Burghof, Putlitz-Philippshof, Wolfshagen, Laaske, Groß Pankow, Retzin und Groß Langerwisch. Die Parkanlagen dieser Güter erlebten nach der Enteignung sehr unterschiedliche Schicksale und stehen deshalb repräsentativ auch für andere Teile der Mark Brandenburg, wie überhaupt des deutschen Ostens.
Alle sieben Gärten entstanden erst im Verlaufe des 19. Jahrhunderts und mit Ausnahme von Wolfshagen wurden sie von ihren Besitzern erdacht, gestaltet und weiterentwickelt. Sie zeichnen sich durch eine große dendrologische Vielfalt aus. Im Gegensatz zu den großen, berühmten und gepflegten Parkanlagen der Potsdamer Kulturlandschaft zeigt diese Ausstellung einmal an konkreten Beispielen, welch unterschiedliche Schicksale diese weniger berühmten ländlichen Anlagen seit ihrer Entstehung erlebten und erlitten.
Eine alles verändernde Zäsur brach mit Ende des Zweiten Weltkrieges auch über den alten ostelbischen Grundbesitz herein. Die Provinzen östlich der Oder gingen verloren und mit ihnen im großen Umfang bedeutende Schöpfungen preußischer Bau- und Gartenkunst. Viele der Schlösser, so z. B. in Friedrichstein, Schlobitten, Schlodien oder Finckenstein wurden zerstört, aber wenigstens blieben die Parkanlagen, wenn auch ungepflegt und verwildert weitgehend erhalten. In der Mark Brandenburg wurden alle Güter im Zuge der ?demokratischen Bodenreform" ab September 1945 entschädigungslos enteignet, aufgeteilt und ihre Besitzer ausgewiesen. Unermeßlich sind die Verluste an wertvollem Kunst- und Archivgut aus den Herrenhäusern auf dem Lande, das den Plünderungen, Bilderstürmereien und Brandschatzungen schutzlos zum Opfer fiel.
1947 erließ die sowjetische Besatzungsmacht schließlich den Befehl zum Abbruch der Schlösser, Herrenhäuser und Gutsgebäude. Ihm fielen auch in der Prignitz viele Bauwerke zum Opfer (z. B. Eldenburg, Ponitz, Schilde, Klein Leppin, Krams u. a.). In vielen Fällen, so auch in allen sieben hier beschriebenen Putlitz'schen Gutshäusern, verhinderte aber die Nutzung der Bauten als Kinderheim, Schule oder Flüchtlingswohnung den Abbruch wertvoller Herrenhäuser. So überdauerten sie, vielfach stark in Mitleidenschaft gezogen, verschiedenartig genutzt, nur leidlich gepflegt und unterhalten und zum Teil architektonisch häßlich überformt, die Jahrzehnte, in denen eine todbringende und vom Gift kommunistischer Ideologie beherrschte Gleichgültigkeit und Borniertheit ihre baukünstlerische Qualität und ihre kulturgeschichtliche Bedeutung fast verwischt und die Erinnerung an sie beinahe gänzlich ausgelöscht hätte.
Die Parkanlagen von Wolfshagen, Philippshof und Burghof wurden nahezu vollständig abgeholzt und durch Neubauten verstümmelt. Sie sind nur in Teilbereichen durch Rekonstruktion und Neugestaltung wieder zu entwickeln. Dagegen bieten die vollständig erhaltenen Parks in Laaske, Retzin und Groß Langerwisch gute Voraussetzungen für eine Wiederherstellung im ursprünglichen Sinne.
Was dagegen individueller Gestaltungswille privater Eigentümer in Verantwortung für ihren Besitz bedeutet, zeigt die Wiederherstellung des Gutsparks von Groß Pankow seit 1992 beispielhaft. Hier ist es Bernhard von Barsewisch in den vergangenen 12 Jahren gelungen, inmitten einer landwirtschaftlich geprägten Region eine gartenkünstlerische und dendrologische Oase neu entstehen zu lassen, die viele Besucher anzieht. Der nach 1945 weitgehend verwaldete Park konnte wieder in seinen alten Zustand versetzt und durch geschickte neue Anlagen und Pflanzungen erheblich bereichert werden. Er gibt ein Musterbeispiel dafür ab, wie wichtig es ist, daß sich der jeweilige Eigentümer mit der Anlage identifiziert und sich auch für ihre ständige Pflege und Erhaltung nachhaltig engagiert. Parks sind keine saisonalen Schöpfungen wie Blumenbeete, sondern sie entwickeln sich in vergleichsweise langen Zeiträumen und sind daher das Werk mehrerer Generationen und sie bedürfen daher einer kontinuierlichen Pflege.
Die Pflege, Erhaltung und Weiterentwicklung historischer Gärten und Parks, die heute auch wegen ihrer touristischen Potentiale wichtig sind, kann doch nur erfolgreich gedeihen, wenn Klarheit über ihr ursprüngliches Bild besteht, und sich ihre Wertschätzung in der Gesellschaft entwickelt. Es muß deutlich werden, nach welchen Leitvorstellungen sie kontinuierlich zu pflegen sind, ohne daß man ihre historische Essenz auslöscht. Das setzt natürlich eine gewisse Sensibilität für die Belange der Gartendenkmalpflege, Klarheit der Besitzverhältnisse, Geschichtsbewußtsein und kulturelle Identität der jeweiligen Eigentümer, aber auch der ganzen Gesellschaft voraus. Schon Peter Joseph Lenné hat das kritisch immer wieder eingefordert und von ihm stammt folgende bis heute gültige Einschätzung aus dem Jahre 1824: ?Dem gänzlichen Mangel an Sachkenntnis ist das Mißlingen, oder kümmerliche Anwachsen der ärmlichen Pflanzung, welche an einigen Orten gemacht worden sind, größtenteils zuzuschreiben. Nichts gedeiht ohne Pflege; und die vortrefflichsten Dinge verlieren durch unzweckmäßige Behandlung ihren Wert. Bäume, die nicht mit der erforderlichen Sorgsamkeit gepflanzt werden, geraten schlecht."
Der mit aktuellen und historischen Photos reich bebilderte und mit farbigen Parkplänen ausgestattete Band über die sieben Parks der Gans Edlen Herren zu Putlitz in der Prignitz will dazu beitragen, das Verständnis für die historischen Gärten und Parks im Land Brandenburg zu schärfen und sie als unverzichtbaren Teil des kulturellen wie geschichtlichen Erbes sowie deutscher Kulturlandschaft zu begreifen und zu erhalten.
Der vorliegende, reich bebilderte Band ist kein sentimentaler Parkführer, sondern eine ungeschminkte, fundierte Analyse zu Geschichte und Zustand der sieben Parks der Gans Edlen Herren zu Putlitz in der Prignitz. Das Buch bietet einen seltenen Überblick über 400 Jahre Gartenkunst auf den Gütern der Prignitz und zeichnet zugleich auch am konkreten Beispiel den Niedergang der Parks nach der Katastrophe von 1945 mit der Vertreibung ihrer Besitzer und der Zerschlagung und Enteignung der alten Güter auf. Wie eng Park, Herrenhaus und Besitzerfamilie eines märkischen Rittergutes über Generationen hindurch miteinander verwoben waren und ihr Werden und Wachsen einander bedingte, davon und vom mutigen Neuanfang nach 1990 auf alter Scholle erzählt dieses Buch in bisher kaum gekannter Weise. Es führt zu den historischen und botanischen Besonderheiten der sieben Parks mit ihren großen Unterschieden der Erhaltung und Rekonstruktion. Torsten Foelsch


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