Amazon.de Erst über Pflastersteine, dann "an der Ampel, kurz vor der Brücke, rechts runter zur Firma." Was so einfach klingt, beschreibt den direkten Weg in ein textiles Paradies. "Die Firma", das ist Cerruti. Und in diesem Einkaufs-Eden hinter den Pflastersteinen, in Biella, wachsen die Preise nicht in den Himmel -- sondern sind, schwärmt Rechercheurin Gertrud Born, "verführerisch günstig". 40 Prozent spart man bei Cerutti im Fabrikverkauf. Die ganze Woche über, bis 19 Uhr, sogar samstags.
Damit sich der Schnäppchenjäger in der Weltfirma zurechtfindet und die Beute -- Kaschmirsakkos, Lackwinterjacken, Leinenröcke -- finden und erlegen kann, gibt's noch einen wichtigen Hinweis: "Auf dem Firmengelände nach 100 Metern rechts in das Verkaufsgebäude." Solche langweiligen, aber entscheidenden Sätze machen die Schnäppchenführer-Serie zu einem Millionenerfolg. Auch die Einzelhändler mit ihren Strafanzeigen konnten das nicht verhindern.
Nachdem sogar Spezial- und Lokalausgaben aufgelegt wurden, wie "Stuttgart/Mittlerer Neckar/Schwäbische Alb" -- da kommt nun "Norditalien". Hier stehen die Modehäuser dicht an dicht. Aber wer fährt bis nach Italien, um zu sparen? Die Macher wissen: Sieben Millionen Deutsche sind jedes Jahr in Italien, zum Urlaub, und viele davon mit dem Auto. Eine einfache Rechnung: Wer gute Kleidung will, stoppt statt auf der Raststätte einfach mal in Vertemate, Legnano oder Lecco Reggello. Denn dort kann er bei Armani, Dolce Gabana oder Gucci so viel sparen, dass der Spritpreis schnell eingefahren ist.
Dieses Buch verrät alles, was man dafür wissen muss. Seit dem ersten Schnäppchenführer, an dem Rechercheurin Born bereits mitwirkte, hat sich das Erfolgsrezept nicht verändert: Übersichtliche Prägnanz. Jede der 179 Firmen bekommt genau eine Seite, mit knappen Worten zu Warenangebot, Ersparnis -- durchschnittlich 20 bis 50 Prozent --, Kontaktdaten, Öffnungszeiten und Streckenbeschreibung samt Detailkarte. Dazu gibt es Register und Übersichtskarten.
Nur unter der Rubrik "Einkaufssituation" bekommt der Leser ein bisschen Atmosphäre. "Umkleidekabinen sind vorhanden" erfährt man von Sergio Tacchinis Hallenverkauf, beim "Boss"-Besitzer Marzotto & Figli wirkt "die Marlboro-Ecke boutiquemäßig" und bei Levis habe der "Verkauf manchmal etwas den Charme einer Fabrikhalle". Das höchste Lob für die Einkaufssituation lautet: "fast einzelhandelsmäßig". Für Einzelhändler hat dieses Buch keinen Charme -- aber alle, die beim Klamottenkauf keine Luxusmieten mitbezahlen wollen, werden es lieben. --Frank Rosenbauer