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Andymon. Eine Weltraum-Utopie
Angela Steinmüller, Karlheinz Steinmüller, ...

Shayol Verlag, 2004 - 306 Seiten

Kundenbewertung:(12 Bewertungen)
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Als Andymon, der erste Roman von Angela und Karlheinz Steinmüller, 1982 erschien, löste er unter Science-Fiction-Lesern in der DDR wahre Begeisterungsstürme aus. Noch 1989 wurde er bei einer Leserumfrage zum beliebtesten ostdeutschen Science-Fiction-Roman gewählt. Als zweiter Band innerhalb der Steinmüller-Werkausgabe ist Andymon nun in einer von den Autoren überarbeiteten Neufassung wieder erhältlich, ergänzt um ein ausführliches Nachwort.

Ein automatisch gesteuertes Raumschiff befindet sich seit tausenden von Jahren auf dem Weg zu einem Planeten, der die nötigen Voraussetzungen für die menschliche Besiedlung bietet. Nach all der Zeit beginnt sich in seinem Inneren nun wieder der Funke des Lebens zu regen. Der Junge Beth ist einer der ersten Menschen, die aus eingefrorenen Eizellen das Licht der Welt erblicken, aufgezogen von Robotern und behütet vom Schiffscomputer. Doch bevor Beth und seine Geschwister die Steuerung des Schiffes übernehmen können, müssen sie sich mit dem Wissen ganzer Generationen vertraut machen, das in den Datenbanken des Computers gespeichert ist.

Bei ihrer Ankunft erweist sich die neue Heimat Andymon als karge Wüste mit einer für Menschen giftigen Atmosphäre. All ihre Kräfte und Fähigkeiten werden nötig sein, um aus dem Planeten das blühende Paradies zu machen, das sie sich seit langem erträumen. Doch das ist längst nicht die einzige Herausforderung, der sich Beth und seine Gefährten gegenüber sehen. Nachfolgende Generationen jüngerer Geschwister haben gänzlich eigene Vorstellungen über die Form der Besiedlung des Planeten, die den Erfolg des gesamten Vorhabens in Frage stellen.

Trotz seines Ursprungs in den 1970er-Jahren wirken die Themen des Romans erstaunlich zeitlos. So geht es um das Verhältnis von Natur und Technik ebenso wie um die Möglichkeit, den verschiedensten menschlichen Lebensentwürfen in einer offenen Gesellschaft gerecht zu werden. Obwohl Andymon eine positive Utopie schildert, ist der Roman weit davon entfernt, vorgefertigte Antworten zu liefern. Gerade die offen bleibenden Fragen sind es, die den Leser fesseln und zum Nachdenken anregen. Ein Klassiker der deutschsprachigen Science Fiction, der seine Faszination bis heute nicht verloren hat! --Steffi Pritzens


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Ein Klassiker des DDR-SF

Andymon - A. und K. Steinmüller (SF-Roman)

Andymon ist einer der bekanntesten DDR-"Weltraum-Utopie"-Romane überhaupt. Das Ehepaar Steinmüller, sie Mathematikerin, er Physiker und Doktor der Philosophie legten einen überaus einfühlsamen und sorgfältig durchdachten Roman vor, der besonders typisch für die nichtwestliche (östliche) SF ist.

Müsste man verkürzen, sollte folgende Unterscheidung der beiden SF-Haupttraditionen (Ost/West) so aussehen: Betont der westlich orientierte SF eher Military- und Abenteuerelemente, wo es um Eroberungen, Kampf um Ressourcen, Auseinandersetzungen mit fremden Spezies, Kulturen oder die Darstellung galaktischer Imperien" geht, deren Ränke und Zänke verfolgt werden, die meist in Heldenmanier, effekt- und spannungsgeladen ausgetragen werden, geht der östliche SF andere, ruhigere, vor allem nachdenklichere Wege.

Neue Techniken, Roboter oder gar paranormale Phänomene spielen nur selten eine Rolle. Autoren wie Prokop, Lem oder Strugatzki sind schriftstellerisch obere Liga und stellen oft psychologische oder philosophische Fragen. Sie setzen ihre Figuren in ein genau definiertes gesellschaftliches Umfeld, in dem Krieg, soziale Not oder kriegerische Eroberungen selten vorkommen. Der tägliche Überlebenskampf existiert nicht; emanzipierte, klassisch gebildete und moralisch untadelige Neumenschen bearbeiten Zwischen- und Innermenschliches. Gerade die kosmische Robinsonade gibt ihnen Aufgaben und Dilemmas auf, die sie in ihrem Abgeschnittensein von Mutter Erde über sich hinaus wachsen oder auch scheitern lassen.

Andymon gibt ein typisches Beispiel: Ein riesiges Raumschiff, einem Habitat nicht unähnlich, beherbergt mehrere Kindergruppen, die von Erzieherrobots betreut, auf ihre künftige Arbeit vorbereitet werden und heranwachsen. Diese Kinder kennen nur das Raumschiff, seinen Naturpark, die verschiedenen Trainingszentren und die alles beherrschende anonyme Steuereinheit des Schiffs. Keine Erwachsenen, keine Idee wohin die Reise geht bzw. dass es überhaupt eine Reise ist und diese ein Ziel kennt. Erst nach und nach wachsen die Kinder in ihre Zukunft und soziale Rolle hinein und erkennen immer nur das, wofür sie auch reif genug sind; völlig selbstgesteuert kristallisiert sich eine unglaubliche Zukunft für die Protagonisten heraus, die das rein menschliche Sosein betrifft und genausogut auch im antiken Griechenland aufspielen könnte, wenn da nicht, ja wenn da nicht der unendliche Weltraum wäre und... und eben das Ziel der Reise.

Dieser Roman ist ein Wagnis für all diejenigen, denen der "östliche Weg" des SF fremd ist. Der Ost-SF hat unter Umständen ein Erfahrungsmilieu zur Grundlage, das westsozialisierte Leser nicht oder kaum nachvollziehen können und das den Zugang zum Text unter Umständen erschwert. Der Roman ist beileibe kein Paukenschlag, er flimmert vielmehr, zaubert Atmosphäre, lädt zum Mitfühlen ein und bleibt vor allem stur im Hirn haften. Für lange lange Zeit. Garantiert.


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Deutscher SpitzenSF

Hier zeigen die Steinmüllers mal, wohin deutscher Sf gehen kann, wenn er denn gehen will.
SF mit "echten" Charakteren und einer Vision an der sich manch amerikanischer SF-Bestseller die Zähne ausbeißen würde.
Und: hohes (deutsches) Niveau kann auch unterhalt- und lesbar sein.
Pflichtlektüre!


SF aus der DDR. Im Stil von Lem, Strugatzki

Etwas mehr als 20 Jahre nach der Erstveröffentlichung wurde dieser Roman 2004 gleich von zwei Verlagen neu herausgegeben (Shayol und Argument). Mitherausgeber diesmal auch Erik Simon, der eine Hymne zum Roman beisteuerte.

Diese Entscheidung ist wohl als Hommage an die beiden bekanntesten SF-Autoren der DDR zu sehen. Denn einige von den SF-Clubs im Jahre 1989 durchgeführten Umfragen ergaben, dass dieser Roman zu den beliebtesten von DDR-Autoren verfassten Romanen gehör(t)en.

Auf diesen Roman gestoßen bin ich eher zufällig, nach einer Suche im Internet - nach berühmten SF-Romanen aus der DDR. Und das war gut so.

Der grundsätzliche Unterschied zwischen westlichen Plots und den östlichen Romanen
(u. a. Lem, Strugatzki) ist - neben der Tatsache, dass man nichts "Falsches" schreiben durfte (Zensur) - offensichtlich die Vernachlässigung der Action und die nüchternere Ausarbeitung des jeweiligen Stoffes. Somit wird für philosophische Aspekte mehr Raum geschaffen. Nicht verwunderlich ist deshalb die gewählte Sub-Sparte für diesen Roman: Social Fantasies.

Der Inhalt ließe sich kurz so zusammenfassen. Die Menschen bauten einst riesige Raumschiffe. Ein solches wurde dazu verwendet, Planeten anzusteuern, die für menschliches Leben geeignet sind. Gestartet war dieses Schiff vor unbestimmter und unbestimmbarer Zeit von der Erde. Die Erbauer nämlich, die alle Daten über sich selbst, den Zeitpunkt des Starts und die Lage der Erde löschten, entließen ein "leeres" Vehikel in den Weltraum. Leer deswegen, weil die Mannschaften erst Jahre (Jahrhunderte?) später zu leben beginnen sollten. Ab einem bestimmten Zeitpunkt setzte sich diese Maschinerie in Gang; Eizellen wurden befruchtet - und der Wachstumsprozess von Robotern überwacht. Guros (Mz.), Roboter mit integrierten Mimikmorphologismen, übernahmen die Aufgaben der Eltern und zogen die "Geschwister" groß. Jeweils acht von ihnen bildeten so eine Gruppe.
Mit fortschreitendem Wachstum erweiterten sich ihre Tätigkeiten und mit emporstrebender Bildung übernahmen sie dann die Kontrolle über das Schiff ...

Geschildert werden die Ereignisse auf (später auch außerhalb) dem Schiff von Beth, dem Zweiten der Erstgruppe; aus der Ich-Perspektive also.

Beginnend mit seinen frühesten Erinnerungen an die Guros, Spiele im Park und am See lässt Beth den Leser an dem Reifeprozess der Gruppen teilnehmen, wobei es oft um Problemlösungen geht. Die Fähigkeiten der einzelnen Kinder (Jugendlichen und Erwachsenen) treten dabei immer deutlicher zutage und die Identifikation fällt einem nicht schwer. Freilich waren mir persönlich die ersten 30 Seiten etwas langweilig erschienen, denn hier geht es um Kinder und Spiele und Flausen etc. pp.

Meine "VORleserin" (Frau wohlgemerkt!) hatte - dem Eselsohr nach zu urteilen - bei Seite 25 aufgehört zu lesen. Was mich durchhalten ließ (war nicht [nur] der hohe Preis des Buches) sondern zuvörderst die klare, konzise Sprache der Autoren.

Letztendlich kann man den beiden auch keinen großen Vorwurf machen. Bei einem linear konzipierten Erzählfluss (Spannungstangente) gehört die Kindheit natürlich erzählt, zumal hier Roboter die Erziehung übernehmen. Die Figuren werden so lebendig und bleiben im Gedächtnis.

Insgesamt darf man weder einen Abenteuerroman á la Rhodan Perry erwarten noch eine Lektüre mit hohlbein-typischen Spannungssteigerungen bis zum geht nicht mehr. Eher eine dem Begriff Utopie anhaftende gezügelte, wissenschaftlich korrekte und ebenso nüchterne Betrachtungs- und Schreibweise mit auflockernden persönlichen Eindrücken und Gefühlsschwankungen der Koryphäe.

Was bleibt ist letztlich ein nachhaltiges Gefühl, eine Mischung aus Melancholie und Hoffnung zugleich. Und eine tiefe Dankbarkeit für unsere einzigartige Heimstätte - unsere Erde.


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Gelungene Utopie

Andymon ist ein interessanter, ideenreicher und detaillierter Weltenentwurf, und, das mag zunächst verwundern, eine Utopie.
Eine Utopie, geht das nach "1984" und "Schöne Neue Welt", DEN Anti-Utopien überhaupt?
Ja es geht, vor allem wenn es wie im Falle von Andymon so durchdacht und mit "Optimismus" geschrieben ist.

20 Jahre bevor ein Generationenraumschiff der Erde ein fernes Sonnensystem erreicht, erwacht in ihm menschliches Leben aus gefrorenen Eizellen.
Von Robotern aufgezogen und behütet, wachsen die Kinder zu jungen Erwachsenen heran. Die Kinder haben unterschiedliche Charaktere und sind Spezialisten auf ihrem Gebiet.
Nach und nach wird ihnen klar, dass sie von ihren Vorfahren der Erde auf diese Reise geschickt worden waren, um eine neue Welt für den Menschen zu besiedeln.
Sie müssen entscheiden, welchen Planeten des neuen Sonnensystems sie besiedeln sollen. Alle Planeten des Sonnensytems haben im Grunde eine lebensfeindliche Atmosphäre.
Sie wählen Andymon. Sie erkennen, dass es Jahre benötigt, um Andymon so umzuformen, dass man ungefährdet auf ihm leben kann.
Sie nehmen das Wagnis auf, auch wenn sich vieles nicht so verhält, wie ursprünglich "vorausberechnet".

Bei den Steinmüllers interessiert vor allem der soziale Aspekt dieser Weltraumutopie. Welche Gesellschafts-/Staatsform wird sich unter den Nachfahren der Erdenbewohner etablieren?
Wie gehen die verschiedenen Generationen miteinander um?
Ein interessanter Winkelzug der beiden Autoren ist es, den "neuen" Menschen keine Geschichte ihrer Vorfahen mitzugeben. Egal, was Alfa, Beth und die restlichen auch versuchen, sie erfahren von ihren Vorfahren aus dem Schiffscompter nichts. Niemand weiß, wurde das Schiff aus einer gemeinsamen Anstrengung heraus von der ganzen Menscheit oder von nur einem Teil der Menschheit erbaut, und in die Ferne gesendet. Steinmüllers - beide DDR-Bürger (Buch erschien in den 70er Jahren) - berichten später, dass sie unbedingt vermeiden wollten, dies näher zu erläutern. Kommunistische Propaganda lag ihnen genausowenig, wie mit dem Gesetz in Kontakt zu treten, wenn sie geschrieben hätten, der "potente" Westen hätte das Schiff in die Ferne geschickt.
Die sich entwickelnde Gesellschaftsform hat etwas von allem, Basisdemokratie, Kommunismus und auch Anarchie, von allem das "Beste". Niemand wird zu etwas gezwungen, was er nicht möchte. Obwohl in der neuen Gesellschaftsform nicht alles nach Plan verläuft, lösen die verschiedenen Generationen der "neuen" Menschen ihre Divergenzen immer auf friedlichem und im sprachlichen Diskurs. Es werden zwar Intrigen gesponnen, aber die Gemeinschaft aller Generationen löst auch dieses Problem, ohne miteinander zu kämpfen bzw. das Blut vergossen wird.
Das höchste der Gefühle ist mal eine Backpfeife ;-)
Man kann dazu stehen wie man will, es ist interessant zu beobachten, wie sich eine Gesellschaftsform ohne Machtanspruch und ohne Blutvergießen entwickelt.
Ob es so bleibt, lassen die Steinmüllers klugerweise offen.
Dennoch komme ich nicht umhin dies auch zu kritisieren, da mir manches zu schachbrettartig verlief, und ja, stellenweise etwas antiseptisch wirkte.
Der körperliche Kampf, als letztes Mittel seinen Standpunkt durchzusetzen, wird nie ausgetragen. Alles wird untereinander auf Vernunftsbasis geregelt.
Aber so ist das mit einer Utopie, Utopien idealisieren.

Stilistisch ist Andymon eines der geradlinigsten erzählten Geschichten überhaupt. Erzählerisch schnörkellos entwickelt die Geschichte ihren Reiz, aber große Erzähler im Schlage eines Edgar Pangborn oder James G. Ballard sind die beiden nicht. Ich bin fast geneigt zu sagen, logisch, letztlich sind beide Autoren von zu Hause aus Naturwissenschaftler :-)
Trotz diverser Kritikpunkte, knapp 5 Sterne und eine dicke Empfehlung!


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reviews: page 1, 2, 3



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