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Erik Simon

SHAYOL Verlag Ronald Hoppe, 2002 - 282 Seiten

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Erik Simon, Jahrgang 1950, gehört zu den besten SF-Autoren deutscher Sprache, und doch ist er weit gehend unbekannt. Das hängt nicht nur mit seiner Herkunft aus den "Neuen Bundesländern" zusammen, sondern vor allem mit der Tatsache, dass er als Autor von Kurzgeschichten, als Übersetzer, Lektor und Herausgeber eher im Hintergrund agiert. Umso erfreulicher ist es, dass nun der erste Band einer Werkausgabe erschienen ist, der viele seiner klassischen Erzählungen wieder zugänglich macht, ergänzt durch einige bisher unveröffentlichte Texte.

Einzelne Geschichten aus dem Band herauszugreifen und explizit zu rezensieren, wäre sicher möglich und doch Beckmesserei. Erik Simon schildert teilweise skurrile Geschehnisse mit dem ihm eigenen hintergründigen Humor, sendet Botschaften, ist ernsthaft und zugleich satirisch. "Schubladen" sind ihm zu sperrig, und egal, ob man einer Lesung Simons beiwohnt oder sich in seine Geschichten vertieft, man wird immer zu neuen Einsichten gelangen und scheinbar Gewöhnliches mit neuen Augen sehen. Hatte ich erwähnt, dass seine Texte -- ernste wie ironische -- immer ein teuflisches Vergnügen bereiten? Das sei hiermit nachgeholt.

Bislang war es nicht leicht, sich einen Überblick über das derzeitige Gesamtwerk Erik Simons zu verschaffen. Die Streubreite der einzelnen Texte ist beachtlich: Die zu DDR-Zeiten publizierten Storys finden sich zwangsläufig in wenigen Anthologien, aber wer hat schon all die nach der Wende erschienenen Heyne-Anthologien, kennt seine Zeitschriftenbeiträge und auch seine Pseudonyme, unter denen er allein oder in Zusammenarbeit mit anderen Autoren veröffentlicht hat? Die Herausgeber und der Autor haben sich eine Sisyphusarbeit vorgenommen, um die sie nicht zu beneiden sind.

Dieser erste Bandes kann sich -- auch dank eines großartigen Titelbildes von Franz Miklis -- nicht nur sehen lassen, er überzeugt durch Vielseitigkeit und die Zusammenstellung der Geschichten ebenso wie durch die ausführlichen und kompetenten Einleitungen zu den einzelnen Abschnitten. Sternbilder ist ein Glanzlicht innerhalb der deutschsprachigen Science Fiction, ohne Wenn und Aber. --Helge Basler


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Ein "Muß" für Science-fiction Fans und darüber hinaus

Was zeichnet gute Science-fiction aus? Unter anderem dass ein "Novum" vorliegt, also etwas Neues, Originelles. Auch überläßt die klassische SF das "Menscheln" der allgemeinen Literatur. Die Charaktere handeln in einer bestimmten Weise, weil sie in einer bestimmten Welt leben. Um die Welt geht es, die gesamte Welt und ihre Entwicklung. Simon liefert Science-fiction in Reihnkultur. Beide Kriterien sind beispielsweise in der Geschichte vom Planeten "Ikaros" vereint, dessen Bewohner auf der Innenseite einer Hohlkugel leben, bis es ihnen dort zu langweilig wird...

Aber Simon legt uns noch mehr vor, denn er hat Humor. Genau genommen zieht sich eine satirische Ader durch das gesamte Werk. Kostprobe aus Die Riddhaner - Signale aus dem All: "...Nur die eigentliche Botschaft verstanden sie nicht. Sie vermuteten, auch der vierte und letzte Teil des Signals müßte etwas wichtiges enthalten, doch sie konnten nichts damit anfangen: 'Coca-Cola is the best drink in the Universe. Drink Coca-Cola!'"

Und dann: SF wird immer wieder vorgehalten, sie nehme die Sprache und den Stil nicht immer ausreichend ernst. Und auch hier sticht Simon meilenweit aus dem Meer heraus. Er beherrscht die deutsche Sprache noch nach "alter Art"; sogar Gedichte von ihm sind in den "Sternbildern" zu lesen.

Schließlich holt der Autor seine Geschichten aus der Anonymität. Anmerkungen über die Entstehung der einzelnen Beiträge runden dieses gelungene Werk ab.

Fazit: Echte Science-fiction auf höchstem Niveau, die ihresgleichen sucht - interessant, gut zu lesen, witzig.


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Laudatio zum Kurd Laßwitz Preis

Erik Simons Kurzgeschichtenwerk zeichnet sich nicht nur durch eine erstaunliche Vielseitigkeit im Gebrauch von literarischen Formen und Stilmitteln aus, bekannt ist der Autor auch für seine stete Neigung, sich in seinen Erzählungen teils ernsthaft teils parodistisch mit dem Genre Science Fiction auseinander zusetzen, mit seinen Themen und Konventionen zu spielen. In »Spiel beendet, sagte der Sumpf« nimmt Simon gleich auf einen ganzen Katalog von Genreklischees aus einer russischen SF-Zeitschrift Bezug, die Geschichte wurde daher auch ursprünglich auf russisch verfasst und für »Sternbilder«, den ersten Band seiner Werkausgabe, vom Autor ins Deutsche übersetzt.
Simon wäre nicht Simon, wenn er diesen Katalog ein für alle Mal erledigter Genreversatzstücke nicht als Herausforderung begreifen würde, um zu zeigen, wie man diese doch noch verwenden kann. In einer unglaublich witzigen Tour de Force schafft er es, nicht nur gleich alle aufgezählten Klischees in seine Geschichte einzubauen, sondern auch eine Story zu entwickeln, die nicht auf der Ebene der vordergründigen Parodie verharrt, sondern auch jenen ein Lesevergnügen bietet, die mit der Vorgeschichte nicht vertraut sind und vielleicht einige Genreversatzstücke noch gar nicht als Klischees begreifen.
Die Mehrheit der deutschsprachigen SF-Schaffenden stimmt deshalb dafür, Erik Simon für seine Erzählung »Spiel beendet, sagte der Sumpf« den Kurd Laßwitz Preis für die beste deutschsprachigen Science Fiction Kurzgeschichte des Jahres 2002 zu verleihen.


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