ViaVoice ist eins der führenden Spracherkennungsprogramme und sein Preis ist fast unschlagbar. Die Hersteller versprechen eine Steigerung der Produktivität um etwa 50 Prozent. Dies ist überraschend wenig. Und tatsächlich: der Traum vom sprechenden Schreiben ist heute noch nicht erfüllbar.
Obwohl die Kollegen Programmierer von der IBM zweifellos eine enorme Arbeit geleistet haben, holpert es doch noch ziemlich bei der Spracherkennung. Wundern muss man sich darüber nicht, denn Spracherkennung ist ein Teil der Künstlichen Intelligenz. Reale Sprache nicht speziell geschulter Benutzer wird oft erst im Kontext verständlich. Dass ein Spracherkennungsprogramm, dem nun einmal das Alltagswissen fehlt, damit Probleme hat, ist verständlich. Etwas frustrierend ist allerdings, dass auch bestimmte gebräuchliche Worte selbst bei deutlichstem Diktieren von Programm einfacher nicht erkannt werden. Deshalb erhält das Programm von mir nur zwei bis drei Punkte, womit nicht gesagt sein soll, dass es ein besseres gibt.
Denn an der Installation, an der Funktionalität und an der Hilfe gibt es wenig auszusetzen. Die Zahl der bekannten Wörter könnte allerdings etwas größer sein. Das Diktieren in ein sog. SpeakPad ist eine vernachlässigbare Einschränkung, zumal auch das Diktieren in Word möglich ist. Ein konzeptioneller Mangel ist die fehlende klare Unterscheidung von Befehlsworten bzw. Makros und Text.
Beim Diktieren obigen Textes musste ich trotz gebremster, deutlicher Sprechweise, und obwohl mich das Programm schon viele Tage "kennt", 15 Korrekturen vornehmen. Sieben davon gelangen relativ einfach durch Wiederholen des Wortes oder durch Anklicken mit der Maus im Korrekturmenü. Vier gelangen trotz oftmaliger Wiederholung nicht und mussten durch Handeingabe erfolgen; in den restlichen vier Fällen handelte es sich um Worte, die dem Programm noch nicht bekannt waren (holpert, deutlichstem, vernachlässigbare, konzeptioneller). Solche müssen durch nochmaliges Diktieren, Abhören und Bestätigen in das Vokabular des Programmes aufgenommen werden. So bleibt zwar der Traum von der Verfünffachung der Schreibgeschwindigkeit weiterhin ein Traum; aber meine Aussprache hat sich schon enorm verbessert!