Kreuzungen | Marlene Streeruwitz
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Kreuzungen
Marlene Streeruwitz
Fischer (S.), Frankfurt
, 2008 - 250 Seiten
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Manager der Subprime-Krise
Der Roman entwickelt durch die für Marlene Streeruwitz typische Schreibweise eine ganz eigene Rasanz und Intensität, der ständig zunehmende Sog dieser Sprache lässt einfach nicht mehr los. Die Überlegungen, Handlungen und Phantasien des superreichen und emotionalen Protagonisten haben es in sich: der Einstieg des Romans, die Gedankengänge und Handhabungen des "Helden" bei einem Bordellbesuch präsentieren ihn als rücksichtslos aber auch zerrissen. Getrieben erst durch die Leidenschaft zu seiner Frau und später durch ihren Hass, hat er Unsummen angehäuft. Nun will er sich freimachen von allen Bindungen: Ehefrau, Begehren, Sehnsüchte bis hin zum Ort seines Aufstiegs, alles soll zurückbleiben. Er schafft sich neu. Von der melodramatischen Inszenierung der endgültigen Trennung, bei der die Frau einen eindeutigen Punktesieg schafft der ihm zwar Bewunderung abzwingt, aber auch Wegweisung und Nacht im Gefängnis, zu dem neuem outfit mit strahlenden Zahnimplantaten, der Förderung und Beherbergung eines Künstlers der die Rekonvaleszenz und Metamorphose in Venedig begleitet und quasi auch für ihn Frauen benutzt. Bis hin zu dem ausgeklügelten Plan einer über ein Vermittlungsbüro arrangierten Verbindung mit einer englischen Landadeligen, bei der alles vertraglich geregelt sein muss, inklusive Zeugung von zwei Töchtern die die erwachsen werdenden Töchter aus erster Ehe bzw deren kindliche Körper ersetzen sollen. Er will die absolute Kontrolle über sein Leben.
Die Bilder sind in ihrer Schärfe und teilweise fast parodistischen Überzeichnung faszinierend und entlarvend, so dass sie noch lange zu denken geben. Ein vielschichtiges Buch voller Abgründe, spannend und amüsant.
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Scharfsinnig und mutig
Marlene Streeruwitz zeichnet sich aus durch einen unbestechlichen, mutigen und scharfsinnigen Blick auf die gesellschaftlichen Bedingungen. Max ist steinreich, aber anscheinend für sein eigenes Empfinden noch nicht reich genug, in inniger Symbiose und hocherotischer Beziehung mit bzw. zu seinem Geld. Kein sympathischer Charakter, aber man will trotzdem immer weiter lesen. Kunstvoll elaborierte Sprache, die manchmal durch ihre seziererische Eigenart nachgerade attackierend wirkt. Man muss das Buch gewissermaßen 'durchstehen'. Aber es lohnt sich. Vorsicht an alle, die Mechanismen über Ausbeutung, Demütigung, Abhängigkeiten usw. vielleicht gar nicht so genau wissen wollen: hier werden diese Erscheinungen deutlich gemacht. Ein politisches, analytisches, durchdringendes und sarkastisches Werk. Streeruwitz, durch nichts und niemanden korrumpiert.
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Notwendig
Die Romane von Streeruwitz sind aktuelle, authentische Literatur. Vielleicht nicht die leichteste, möglicherweise aber die notwendigste Lektüre. Für mich persönlich ausserdem immer auch ein grosses Lesevergnügen.
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