Kant sprach von einer Kopernikanischen Wende. Sie sollte dadurch herbeigeführt werden, dass die philosophische Erkenntnis sich von den Gegenständen selbst auf die Möglichkeit der Erkenntnis derselben zurückwendet. Kritik der reinen Vernunft bedeutet daher vor allem Selbstprüfung des menschlichen Erkenntnisvermögens hinsichtlich seiner Grenzen und Erkenntnismöglichkeiten. Kants für die moderne Philosophie grundlegende Einsicht war, dass erfahrungsunabhängige, also metaphysische Erkenntnis nur in der Einschränkung auf die formalen Bedingungen möglicher Erfahrung beweisbar und damit alle traditionelle Metaphysik nichts als Scheinwissenschaft ist.
Grundvoraussetzung für dieses Projekt ist die Rückführung aller gültigen Erkenntnis auf die im Subjekt angelegten Bedingungen. So wie Raum und Zeit keine Gegenstände, sondern reine, subjektive Anschauungsformen möglichen Gegebenseins von konkreten empirischen Erscheinungen sind, so sind auch die reinen Verstandesbegriffe bloß formale Bedingungen der Einheit möglicher Objekte. Wir erkennen nie die Dinge an sich selbst, sondern nur die Erscheinungen, das heißt die Gegenstände, wie sie uns durch die formalen Bedingungen unseres Erkenntnisvermögens gegeben sind.
Vor allem Kants idealistische Erben wollten sich mit dieser Einschränkung der Erkenntnis auf die Erscheinungswelt nicht zufrieden geben und gingen daher über Kants kritischen Idealismus hinaus. Statt dessen versucht man in der sprachphilosophisch geläuterten, modernen Erkenntnistheorie (Putnam, McDowell) wieder an Kants Kritizismus Anschluss zu finden. --Jens Kertscher
Das eben beschriebene Beispiel erklärt den Begriff Antinomie. Eine Antinomie besitzt eine dialektische Prämisse. In diesem Fall ist die Prämisse der Zeitverlauf, der bewiesener Maßen - in Kants Vorstellung - unendlich sein oder eben einen Anfang haben kann. Beide Vorstellungen des regressiven Zeitverlaufs sind beweisbar und schließen sich gegenseitig aus.
Kant beschreibt als Urteile apriori solche Urteile in denen man von einer generalisierbaren, allgemein gültigen Aussage ausgehen kann. Solches können zum Beispiel Mittelwerte in statistischen Messungen sein. Ein 1,60 m großer Mann ist in Deutschland allgemein als klein anzusehen. Der bei den empirischen Messungen sich herausgebildete Wert wird als transzendental angesehen. Es ist somit eine transzendentale Tatsache, das verallgemeinerte Urteil einer empirischen Messung.
Auf der einen Seite haben wir eine direkte Erfahrung von bestimmten Objekten und Ereignissen, aber auf der anderen Seite haben wir, in einigen Fällen, die Möglichkeit generelle Aussagen aus unserer Erfahrung über Objekte zu machen, die über den Inhalt von jenen Gedanken über bestimmte Objekte hinausgehen.
Die Schlüsse der Naturwissenschaften sind provisorisch, ihre Bestätigung holistisch; sie ist sensitiv in Bezug auf die Wiederholung von Ereignissen über die gesamte Bandbreite unserer Erfahrung. Diese Sensitivität der Schlüsse durch die Naturwissenschaften erscheinen ehrgeizig und sind immer einer von zwei Kategorien zuzuordnen; entweder antwortet ein Wissenschaftler auf ein Muster außerhalb seiner selbst und muß ständig seine Annahmen an die Resultate anpassen oder es die Sensitivität ist ein Grund für eine tiefe Skepsis an der Kapazität dem gesamten Unternehmen in seiner Möglichkeit ein überzeugendes Bild der Welt abzuliefern.