Bunbury oder Ernst sein ist wichtig. | Oscar Wilde
Bücher:
bunbury oder ernst s...
Bunbury oder Ernst sein ist wichtig.
Oscar Wilde
Reclam, Ditzingen
, 1999 - 95 Seiten
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Kauftipp
Pflichtlektüre - Nicht nur in der Schule
Bunbury
oder
Ernst
sein ist
wichtig
, sollte meiner Auffassung nach von jedem halbwegs in Literatur und Theater interessierten Menschen gelesen und als Pflichtlektüre in der Schule eingeführt werden.
Wieso?
Die Antwort ist ganz einfach. Oscar Wilde schafft es mit seinem, kleinen aber überaus feinen, Theaterstück auf lustige Art und Weise die Gesellschaft des 19. Jahrhunderts, jedoch auch unsere heutige Gesellschaft mächtig durch den Kakao zu ziehen.
Er versteht es auf eine lockere und flockige Art die Gegensätze und die Scheinheiligkeit unserer modernen Gesellschaft aufzuzeigen. Sei es das plötzliche "Aufwerten" von Leuten aufgrund ihres Reichtums, die übertriebe Festlegung auf einzelne Merkmale (hier den Namen) oder einfach die Doppelmoral vieler Menschen, die auch heutzutage gerne mal bunburysieren und sich somit in anderen Kreisen oder Orten anders geben als sie in Wirklichkeit sind.
Im Gegensatz zu vielen anderen Theaterstücken, welche ich gelesen habe, hatte ich Bunbury innerhalb von 2 Stunden "verschlungen" und hab mich während dieser Zeit auch köstlich amüsiert. Schon allein aufgrund dieser Tatsache sollte man sich überlegen, ob man anstatt den doch eher trockenen und häufig auch sehr unzugäglichen Allerweltssschullektüren, doch nicht mal ein Stück von Oscar Wilde vorziehen sollte.
Leider ist bei der deutschen Übersetzung des Titels ein kleiner Witz des Stückes abhanden gekommen (Die Übersetzung ist an sich aber sonst hervorragend).
Denn im Original heißt das Stück: "The Importance of being Earnest" und hier bedeutet Earnest nicht Ernst, denn das sind die Charaktere im Stück ja unzweifelhat ofz, sondern aufrichtig und das kann man besonders von den beiden männlichen Hauptpersonen ja mal überhaupt nicht behaupten.
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- Lesen!!! -
"
Bunbury
" ist der Alternativtitel zu "
Ernst
sein ist alles" von Oscar Wilde, also nicht verwirren lassen.
"Bunbury" gehört, meiner Meinung nach, zu Oscar Wilde's besten Werken.
Im Prinzip geht es in der Geschichte darum, dass sich zwei Frauen in den Namen "Ernst" verliebt haben. Die eine, Gwendolen, weil sie den dazu gehörigen Mann kennt, dessen Name in Wahrheit Jack ist; die andere, Cecily, kennt den Mann, der eigentlich Algernon heißt, nur vom Hörensagen.
"Ernst" sind also in der Realität zwei Männer, die sich verzweifelt darum bemühen, den beiden angebeteten Damen ihre Identität klar zu machen.
Und dies tun sie auf sehr vergnügliche Weise wie der nachfolgende Auszug eines Dialoges zwischen den beiden Freunden Algi und Jack zeigt.
Jack: "Wie du so dasitzen und in aller Ruhe Muffins essen kannst, wo wir doch in dieser fürchterlichen Klemme stecken, das begreife ich nicht (...)."
Algi: "Nun, ich kann Muffins doch nicht auf eine hektische Art und Weise essen. (...) Man sollte Muffins immer in aller Ruhe essen. Es ist die einzig richtige Art, Muffins zu essen."
Jack: "Ich wollte sagen, es ist völlig herzlos von dir, unter den gegebenen Umständen überhaupt Muffins zu essen."
Algi: "Wenn ich in einer Klemme stecke, ist Essen das einzige, was micht tröstet (...). Im Augenblick esse ich Muffins, weil ich unglücklich bin. Außerdem esse ich Muffins ganz besonders gerne."
Jack: "Na schön, das ist aber noch kein Grund, auf diese gierige Weise gleich alle aufzuessen."
Ich finde, diese Stelle ist ein hervorragendes Beispiel für die Leichtigkeit und Spritzigkeit, mit der Oscar Wilde seine Geschichten geschrieben hat und die Rainer Kohlmayer wunderbar mit einem Augenzwinckern ins Deutsche übersetzt hat.
Lesern, denen bereits "Ein idealer Gatte" oder "Lady Windermere's Fächer" gefallen hat, kann ich "Bunbury" nur empfehlen! Aber auch für zwischendurch eignet sich "Bunbury", denn man kann einen unterhaltsamen Nachmittag mit der Lektüre dieses Buches verbringen ... und sich am Abend die Lachtränen aus den Augenwinkeln wischen. - Lesen!!! -
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Wilde!
Was soll man sagen? Eine Empfehlung platziere ich hier und jetzt. Diese Geschichte sprüht geradezu vor Witz und Ironie. Die Gesellschaft wird dabei zum Ziel des Angriffs. Wer sich schon des Öfteren fragte, für was eigentlich der "
Ernst
" im Leben steht, findet hier eine Antwort. Auch wenn diese nicht überbewertet werden sollte.. ;)
"Die Ungewissheit ist furchtbar. Hoffentlich dauert sie an" (Oscar Wilde)
Oscar Wilde (1854-1900) starb viel zu früh; welch große Kunst ist der Menschheit vorenthalten worden, eine zweite Salome, einen neuen
Bunbury
, wie gern hätten die Leser diese noch gelesen. Er irrte sich nicht, als er sagte, sein Genie bewahre er für das Leben, sein Talent investiere er in die Kunst. Doch sein Genius war größer als seine Rolle innerhalb der Dandy-Gesellschaft Yeats hielt ihn für einen frustrierten Mann der Taten, den es in die Literaturszene verschlagen habe. Und doch ist seine letzte Komödie die beste. Denn die Komödie, die oft in den Schatten der ehrwürdigeren Tragödie gestellt wird, verdient gleichwohl eine genauere Würdigung. Und so hat Jorge Luis Borges Recht, der sagte: "Der größte Ästhet hat fast immer Recht". Wollen wir mehr wissen, als dass Wilde ein must have in schlechten Zeiten ist? Wer sonst sollte uns aufmuntern? "Wir können den Tag nicht mit Erklärungen hinbringen", formulierte einst Ralph W. Emerson und so wird Wilde gedacht haben. Wilde ist geschaffen für das Paradoxe, für den Witz, den Humor, das Pointierte. Dieses finden wir brillant in Bunbury, ebenso wie die höchste Kritik, die nichts anderes ist, als das "Zeugnis der eigenen Seele", wie Lady Brachnell vermutet.
Ernst
sein ist alles! Man könnte meinen, Wilde schrieb eine Parodie auf sich selbst, auf sein Doppelgängerleben. It is important to be Wild(e). Der Wortwitz mit earnest und ernest steht auf höchstem Niveau, ein Spiel zwischen Aufrichtigkeit und Lüge, alles mit Stil.
"Onkel Jack ist furchtbar ernst", sagt Cecily, eben über Jack, der auf dem Lande Jack ist, in der Stadt jedoch Ernst, um ungehindert sein amouröses Leben genießen zu können. (Jack=John=Ernest Worthing) Und sein Freund/Bruder (Algernon Moncrieff=Bunbury=Ernest Worthing), der ungehindert aufs Land fahren will, Stadtflucht zur Ruhe braucht und dem dieses nur gelingt, in dem er den Invaliden Bunbury ersinnt, der zu pflegen ist. Zwei Menschen, bekannt als Freunde und unwissend der Geschwisterstellung, beide verliebt, Jack aka Ernst in Gwendolen, die Tochter der Lady Bracknell, Algernon aka Ernst (vorgeblich) in Cecily.
Die die Geschichte umfassenden Sätze: "Das, mein lieber Algy, ist die ganze Wahrheit, klar und einfach" und das erkenntnisreiche Bemerken am Ende entsetzt Jack: "Gwendolen, es ist furchtbar für einen Mann, wenn sich plötzlich herausstellt, dass er sein ganzes Leben lang nichts als die Wahrheit gesagt hat" prägen den Inhalt. Ein Spiel, ein Verwirrspiel erster Güte um Lüge und Wahrheit, eigentlich um den Verfall der Lüge. Denn die vermeintliche Lüge entpuppt sich als Wahrheit. Literarisch orthodox wäre die scheinbare Lüge, die zur Wahrheit wird, Wilde jedoch liebt das Paradoxe, die ganze Wahrheit von Anfang an ist Lüge und bestätigt sich als Wahrheit erst am Schluss. Dieses Prinzip durchzieht das Stück, wie das Wortspiel von earnest und Ernest. Da wo die Antwort auf die Frage: "Wenn sie ihm glauben können?" wunderbares Echo findet: "Nein. Aber das ändert nichts an der wundervollen Schönheit der Antwort". Und Wildes Liebe zum Paradoxen präsentiert sich bestens in der Wartespannung, als Jack die Reisetasche sucht und Wilde Gwendolen sagen lässt: "Die Ungewissheit ist furchtbar. Hoffentlich dauert sie an".
"Ich heiße also Ernst" resümiert Jack voller Stolz, die Verhältnisse sind geregelt, das Happy End naht unwiderruflich. Und Jack ergänzt voller Zweideutigkeit: "Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben gemerkt, wie
wichtig
es ist, ernst zu sein".
Wilde ist bravourös und allzeit zu empfehlen. (Salome, Dorian Gray, Teleny stehen rezensiert bereit) Sein Leben fasst er so zusammen: "Was mir das Paradoxe in der Sphäre des Denkens war, wurde mir das Perverse im Bereich der Leidenschaft". (De Profundis, Brief an seinen Freund Lord Alfred Douglas)
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Der doppelte Ernst
Es kann ja nur zu Verwirrungen führen, wenn ein braver Landmann ohne gewisse Vergangenheit (er wurde als Kind in einem Koffer gefunden und von einem Adeligen erzogen) seinem gediegenen Leben entkommt und in der Stadt (in diesem Falle London) als Pseudo-Realität die Sau raus lässt. So kommt es dann auch natürlich in Wildes
Bunbury
". Verwickelte Liebschaften, Kämpfe um eine gute Reputation. Und ganz nebenbei wird dann auch noch die wahre Geschichte von
Ernst
s" Geburt offenbart. Ein entscheidender Schlüsselmoment, der letztlich alles zum Guten führt.
Wilde schrieb hier eine rasante und sprachwitzige Komödie, die Ihresgleichen in der doppellebigen Literatur sucht. Absolut humorvoll und trotzdem sehr stilvoll kann man ohne Probleme in die doppelten Ränke von Verliebten, Gelangweilten, Schüchternen und Verkniffen eintauchen.
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