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Anatol / Anatols Größenwahn / Der grüne Kakadu
Arthur Schnitzler

Reclam, Ditzingen, 1986 - 175 Seiten

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Eins der besten Stücke Schnitzlers

Ein wirklich amüsantes Theaterstück, das tiefe Einblicke in die Zeit der Jahrhundertwende bietet. Ich war doch sehr überrascht, wie "modern" die Gedanken und Redearten zu jener Zeit schon waren. Schnitzler thematisiert zwar den Subjektivismus, der unter anderem zur Zeit des "Fin de Siècle" das Verhalten der Menschen bestimmte, kritisiert diese Strömung aber auf unterhaltsame und leicht übetriebene Weise: Anatol entfernt sich durch die Hingabe zum Subjektivismus vom praktischen Leben. Er ist der typische impressionistische Lebemann: er wechselt fließend seine Partnerinnen und will ihnen in keinster Weise verpflichtet sein. Gleichzeitig sucht er in seinen Beziehungen Selbstbestätigung. Anatol lebt einfach in den Tag hinein, der nichts als eine "Illusion" ist. Und genau diese Selbstillusion ist ihm wichtig. Vor der Realität fürchtet ersich, weil sie ja seine Vorstellung zerstören könnte. Interessant ist die Beziehung von Frauen und Männern in diesem frühen Werk von Schnitzler. Hier ist das "süße Mädl" noch tonangebend: das naive, aber natürliche Vortsadtdummchen. In späteren Werken begegnet man selbstbewußten, zielstrebigen, gebildeten Frauen, die nicht mehr viel vom süßen Mädl haben. Wer nette Unterhaltung sucht, die mit viel Intellekt und Witz angereichert ist, sollte Anatol auf alle Fälle lesen! Ist auch ganz kurz und läßt sich in ein paar Stündchen durchlesen.


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Der Übermensch?

In Schnitzlers ?Anatol" geht es vornehmlich um die Beziehung zwischen Mann und Frau. Anatol lebt völlig beziehungslos zu seiner Umwelt. Die Frauen dienen ihm nur zur schnellen Befriedigung vor allem sexueller Triebe. Doch die Gesellschaft verlangt von ihm eine feste Partnerschaft - eine Familie. Deshalb versucht Anatol immer die Illusion einer Bindung aufzubauen, muß sich dann aber selbst eingestehen, daß er eine feste Beziehung ohnehin nicht eingehen will und schon gar nicht kann. Max tritt - vor allem im letzten Akt - als moralische Instanz, als sein bürgerliches Gewissen, das noch an ?Werte" glaubt auf.

Auch der Einfluß Schopenhauers auf dieses Werk ist augenscheinlich. Nach Schopenhauers Ansicht, ist der Wille die Wurzel alles Unglücks. Nur diejenigen, die den Willen als solche erkennen und ihn ausschalten können ?Glück" finden. Hier sind auch die Parallelen zum Buddhismus. Anatol ist von seinem Willen Glück bei einer Frau zu finden beherrscht.

Eine weitere Eigenheit in der Beschreibung des Anatols ist, daß er sich nur über Frauen definiert. Er ist keine eigenständige Persönlichkeit, er hat keinen Beruf oder ähnliches. Er ist immer nur der ?Frauenheld" und somit abhängig von Frauen. Würde er plötzlich heiraten und eine Familie gründen, wer wäre er dann noch? Ein Niemand. Dies ist ein wichtiges Merkmal der Jahrhundertwende: Der Verfall der Gesellschaft - in diesem Fall der Verfall (eigentlich das gar nicht ?Zustandekommen") des Anatols.

Auch die Philosophie Nietzsches hatte großen Einfluß auf dieses Werk. Anatol versteht sich als Übermensch, der sich über alle hinweg setzt. Hier kann man die Lächerlichkeit eines Übermenschen aufzeigen: Was ist ein Übermensch ohne die, die er unterdrücken kann? Ein Niemand. Anatol lebt also beziehungslos in einer Umwelt ohne die er nichts wäre.


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Mir gefällt die psychologische Darstellunng der Hauptperson

Der Arzt und Psychologe Artur Schnitzler hat seine Beobachtungen an Menschen in eine wundervolle Literatur entwickelt. Die Darstellung ist zwar unpersönlich, doch kann man die Schlussfolgerungen mit Hilfe des fachmännischen Erfahrungsbereichs ziehen. Die Sprache des Werkes ist schlicht, aber die dahinten verborgenen Hintergeddanken bewegen die Phantasie des Lesers. Lassen uns nicht langeweilen. Am Ende muss man darüber nachdenken, welche Kräfte in uns arbeiten. Das hilft auch unsere Gefühlswelt tiefer kennenlernen.



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