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  Idyllen. Kritische Ausgabe. | Salomon Geßner
 
 
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Idyllen. Kritische Ausgabe.
Salomon Geßner

Reclam, Ditzingen, 1973 - 327 Seiten

Kundenbewertung:(2 Bewertungen)
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Beruhigendes Kleinod

Ich bin glücklich, wieder etwas Wunderbares entdeckt zu haben: Salomon Gessners "Idyllen" (1756).

Ich empfehle euch dieses Kleinod, falls ihr in einer 'romantischen Stimmung' seid, in einem 'locus amoenus' zu wandeln; die Lektüre dieser Idyllen ist nicht anstrengend wie andere Klassiker, - sie ist beruhigend, es ist, als ob uns die Natur, als ob uns Geßner in die Arme nehmen würde, und wir uns ihn nicht satt umarmen könnten.

Geßner kreiert uns so schöne Szenen aus dem goldenen Zeitalter, ich möchte sagen, alles besteht nur aus klassischen, schönen Topoi, die schönsten Archetypen, wonach sich vielleicht ein jeder Mensch sehnt, was auch jeder Mensch kennt: die Bäume, das Wasserplätschern, das Barfußgehen auf warme Blumen, holde Augen, das heitere Lächeln eines jungfräulichen Mädchens, Flötenspiel, spontaner Gesang einer hohen Stimme, Schafherden, wohlriechendes Holz...

Geßner tut gut daran, seine Idyllen in Prosa zu schreiben, und nicht, so wie Voß, oder Theokrit, oder auch Mörike in Hexametern. Denn ich glaube nicht, daß das Lesen von Hexametern beinahe - wie bei Geßner - therapeutisch-beruhigend wirkt.

Ich bin zwar sehr begeistert, aber eine Sache stört mich an den Idyllen doch: Die ständige Erwähnung, ein junges Mädchen küssen zu wollen, streicheln, lieben zu wollen. Das wird nach zehn solcher kleinen "Bildchen" allzu pathetisch und sogar lästig, man hat das Gefühl, der Autor sei etwas übertrieben wollüstig.


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Rezension im Deutschunterricht

Salomon Gessner: Idyllen (1756)

Salomon Gessner schuf mit seinen ?Idyllen" ein Werk, das auf grossen Anklang stiess. Es setzt sich aus einer Sammlung von Prosastücken zusammen. Der Titel des Werkes stammt aus dem Griechischen und bedeutet ?Bildchen" oder ?zierliches Gedicht". Damit wird bereits die Gliederung des Buches in etliche kleine Prosastücke gekennzeichnet.
In diesen Prosastücken versucht er die vollständige Harmonie des Menschen mit der Natur zu beschreiben. Um diese Harmonie besser vermitteln zu können, wendet er eine sehr präzise Sprache an, bei welcher er sich mit schönen, runden Worten und Wortbildern ausdrückt.
Des Weiteren sind die Situationen in den Idyllen so gewählt, dass sie an Orten spielen, die mit der Natur im Einklang sind. Nicht nur bei der Ortswahl, sondern auch bei der Wahl der Handlung hält sich Gessner an sein Leitmotiv der Idyllen. Oft vorkommende Bilder sind unter anderen ein Natur oder Liebe besingender Hirte oder ein glückliches, spazierendes Liebes-paar. Seine Art die Elemente zu beschreiben ist sehr schlicht und simpel, was in einem kras-sen Gegensatz zum doch so pompösen Rokoko steht. Man erkennt diesen Prunk bereits in der Kleidung der damaligen Zeitgenossen. Alles war sehr verschnörkelt und pompös, was eigent-lich nicht so sehr in die Idyllen passt, bei denen alles sehr schlicht beschrieben ist. Somit ist für Gessner Rokoko die Harmonie, die unantastbare Liebe und die Natur. Obwohl es einzelne voneinander unabhängige Texte sind, treten immer wieder dieselben Personen auf, jedoch stehen sie jeweils in anderen Beziehungen zueinander. Dadurch verliert das Werk für den Leser schon ein Stück an Harmonie, da es vermehrt vorkommt, dass Personen, die eigentlich in einer Beziehung zu sein scheinen, trotzdem ein Verhältnis mit jemandem anderen haben.
Salomon Gessner scheint ein stark naturbezogener Mensch gewesen zu sein, der die Stadt als ein grosses Übel betrachtete, das der Natur des Menschen den Zugang zur Harmonie ver-sperrt. In der heutigen Zeit scheint das Werk für den Leser beinahe etwas lächerlich, da so viel Sentimentalität unnatürlich wirkt. Diese von Gessner beschriebene konfliktlose Welt kommt einem Paradies gleich und kann nur in einer Utopie existieren.
Im heutigen Bewusstsein geht der Bezug zur Natur infolge der fortlaufenden Technisierung und Modernisierung des Alltags oft unter. Gessner war mit der damaligen Zeit nicht einver-standen und vermisste das Leben des Goldenen Zeitalters, deshalb arbeitete er mit einer Art Gegenbilder. Er ersehnt zum Beispiel ein Gegenstück zum Zorn und versucht mit Hilfe von Beispielen aus dem Goldenen Zeitalter, die er in seinem Leben vermisst, dem Leser die kriti-sierten tatsächlichen Verhältnisse vor Augen zu führen, z. B. in der Idylle ?Menalkas und Äschines der Jäger" in, der Äschines den Hirten als Dank in seine Stadt mitnehmen will. Dort habe es Paläste mit hohen Säulen und schöne Mädchen. Der Hirt jedoch will ihm klar ma-chen, dass seine Hütte ihn vor dem Wetter schützt und sein Mädchen schön und lien genug ist.
Auf die heutige Welt bezogen, ist solch eine Traumwelt nicht realisierbar, dies gilt jedoch ebenfalls für die Entstehungszeit der Idyllen, ist es doch so, dass die Naivität in seinem Werk eine sehr grosse Rolle zugewiesen bekommt. Sogar der Betrug der Geliebten wird hier har-monisch dargestellt. Es kommen fast nie Misstrauen, List oder Ähnliches vor, obwohl Gess-ner weiss, wie seine Welt eigentlich ist.
Der Sinn dieser Idyllen ist es vielleicht durch das Aufzeigen von solch harmonischen Verhält-nissen die Menschen dazu zu animieren keine Distanz zur Natur mehr aufzubauen. Das Werk erlaubt somit eine Flucht in eine andersartige Welt. Dadurch war es Gessner möglich eine indirekte Kritik an der damaligen Ordnung zu vollziehen, was sehr satirisch aufgefasst werden kann. Auch hier will ich wieder zurückgreifen auf die Idylle mit dem Jäger aus der Stadt. Gessner war wahrscheinlich mit dieser pompösen Welt nicht einverstanden und liebte die Schlichtheit, was man gut erkennen kann.
Anfangs war es für uns ein Genuss die Idyllen zu lesen. Die Idyllen sind so sentimental ge-schrieben, dass uns ganz warm ums Herz wurde. Erst mit der Zeit merkten wir, dass die Handlung mehr oder weniger immer dieselbe ist, was mit der Zeit auch die schöne Formulie-rung ein wenig langweilig macht. Auch die Handlung selbst ist am Anfang amüsant und rei-zend, wird aber mit der Zeit auch langweilig. Es ist auch etwas ungewohnt Texte in einer der-art zuckersüssen Sprache zu lesen. Alles in allem ist es sicherlich einmal schön eine Idylle zu lesen. Jedoch würden wir nicht empfehlen, zu viele nacheinander zu lesen, da es sonst lang-weilig wird.

Wanda Burkhardt & Pierina Maibach,
Bündner Kantonsschule, Chur


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