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  Germania | Publius Cornelius Tacitus
 
 
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Germania
Publius Cornelius Tacitus

Reclam, Ditzingen, 1972 - 112 Seiten

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Sehr interessant, muss aber mit offenen Augen gelesen werden

Der römische Autor Tacitus (55 - 120 n. Chr.) beschreibt in seinem Werk "Germania" die einfachen und natürlichen Lebensgewohnheiten der verschiedenen germanischen Stämme, die er in einem starken Gegensatz zu den seiner Meinung nach verweichlichten und dekadenten Römern sieht. Für Tacitus besitzen die Germanen somit genau diejenigen Eigenschaften, die Rom in früheren Zeiten groß und mächtig gemacht haben, jetzt aber hinter weniger guten Charakterzügen zurückstehen. Angesichts dieser Tatsache wurden die Germanen allmählich zu den gefährlichsten Feinden Roms, die immer massiver die Grenzen des Imperium Romanum bedrohten und lange Zeit nur unter größten Anstrengungen davon abgehalten werden konnten, in das römische Reich einzufallen, bevor dies in späteren Jahrhunderten doch noch gelingen und zum Untergang der römischen Weltmacht beitragen sollte.
Das Thema der "Germania" besteht allerdings mit Sicherheit nicht darin, die Germanen oder die von ihnen abstammenden Deutschen als ein Volk zu charakterisieren, das dazu auserwählt ist, über andere Völker zu herrschen. Leider führt hier eine verhängnisvolle Linie über die Rezeption des Werkes in der Zeit der Freiheitskriege gegen Napoleon über Gobineau, Chamberlain und andere Theoretiker direkt zum Nationalsozialismus. Dieser sensible Aspekt wird am Ende des Buches sehr schön dargestellt und für den Leser verständlich gemacht.
Ansonsten ist das Werk eines der wichtigsten Zeugnisse über die germanischen Stämme in den ersten beiden Jahrhunderten nach Christus, auch wenn es unbedingt mit offenen Augen gelesen werden muss, um unangebrachte Fehlinterpretationen zu vermeiden und auch einem propagandistischen Missbrauch vorzubeugen.


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Schlichte und einfache Ausgabe

Diese Ausgabe enthält den lateinischen Text und eine recht präzise Übersetzung von Manfred Fuhrmann. Auserdem gibt es einige Erleuterungen und ein Nachwort über Tacitus und die Germania allgemein im Anhang.


Eiertanz zwischen Anpassung und Bitternis

"Es müssten die großen Regeln VORRAT OHNE AUFWAND ins Licht gesetzt werden. Des Tacitus Ausdruck müsste analysiert werden..." schrieb der große Aphoristiker G. C. Lichtenberg. Worin besteht das Interessante im Stil des Tacitus?

Es steht viel zwischen den Zeilen. Es wird viel ausgelassen, und das Übriggebliebene lenkt auf überraschende Weise den Gedanken ins Nicht-Erwartete. Das ist ein Erlebnis, das man nicht nur bei der Gruppierung der großen Stoffmassen hat, sondern auch in jedem einzelnen Abschnitt oder gar Satzbau. Insofern ist es fast eine Vorwegnahme aphoristischen, von Lichtenberg erfolgreichst im deutschsprachigen Gebiet begründeten Denk- und Schreib-Stils: Pointe, gegenläufiges, nicht der Menge verhaftetes, moralisches Urteilen, untergründiger Spott, psychologisches, fast diabolisches, verstecktes Argumentieren.

Wie kommt es zu so einer solch vor-modernen Bewußtseinslage? Durch die Spaltung, die jeder heutige Gymnasiast am eigenen Leibe erleben darf: Dem Zwang zur Anpassung und dem Hang zur nicht indoktrinierten Selbstfindung. Mit diesem Eiertanz mußten fast alle römischen Schriftsteller leben: Gehorsam nach Außen gegenüber der Macht der mit verächtlichen Todesurteilen nur so um sich werfenden Kaiser-Cliquen einerseits und andererseits Selbst-Respekt nach Innen als Aufbruch zum würdigen Aufschreibekünstler und unbeirrten Chronisten, der sich vorsichtig soviel Bitternis erlaubt, wie gerade noch tolerierbar bleibt. Dieser Drahtseilakt - ist es dies, was man den heutigen Schülern und Schülerinnen nahelegen will, die immer noch Tacitus durcharbeiten müssen?

Oder ist es gar noch simpler? Wird in Deutschland GERMANIA so gern hervorgekramt, weil man sich bis zur Trotteligkeit selbstverliebt an Tacitus hängt, der die wertkonservativen Verhaltensweisen bäurischen, germanischen (Un-)Wesens höher stellt als die dekadent großstädtischen der verruchten römischen Genußgesellschaft? Diesen Fingerzeig sollte man vielleicht taciteisch zu unterlaufen beginnen: spöttisch, unbeweisbar, lakonisch... Vielleicht hat uns Tacitus vorgemacht, wie man sich schützt, wie man unter hemmungslos waltenden Machtsystemen trotzdem am Aufbau einer eigenen Meinung arbeitet. "A desire to resist oppression is implanted in the nature of man..." dieses Tacitus-Zitat fand ich in einer amerikanischen Besprechung. Man hat da nicht das Unzutreffendste von ihm ausgewählt...


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Klassiker

Tacitus hat vor 2000 Jahren ein Buch über Germanien und seine Stämme geschrieben. Ob jetzt alles so war, ist mittlerweile umstritten, da aber jeder, der was über Germanen schreibt, sich auf dieses Buch bezieht sollten interessierte doch einfach mal die Ursprüngliche Quelle lesen.
Die Germanen werden oftmals als naive edle Wilde dargestellt, um den Römern einen Sittenspiegel vorzuhalten, dies macht das Buch aber nicht weniger lesenswert.

Ist eigentlich Pflichtlektüre - nicht nur für Latainer. Das Büchlein kostet auch nicht viel.


reviews: page 1, 2



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