Du bist mein Wunsch und mein Gedanke: Liebesgedichte
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Du bist mein Wunsch und mein Gedanke: Liebesgedichte
Reclam, Ditzingen
, 2007 - 101 Seiten
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Und mein Stamm sind jene Asra, welche sterben wenn sie lieben.
Ich kenne keine niedergeschriebenen Worte, die so schön sind, wie solche , die sich zu
Liebesgedichte
n zusammenfügen.
Als erster in der deutschen Philosophie betonte Immanuel Kant in seiner " Kritik der Urteilskraft" ( 1793) die " zwecklose Zweckmäßigkeit" des Schönen und das " interessenlose Wohlgefallen" bei seiner Betrachtung und Wahrnehmung. " Ein jeder muss eingestehen, dass dasjenige Urteil über Schönheit, worin sich das meiste Interesse mengt, sehr parteiisch und kein reines Geschmacksurteil ist."
Goethe und Schiller schlossen sich der Kant`schen Definition an.
So sagt Goethe " Das Schöne ist eine Manifestation geheimer Naturgesetze, die uns ohne dessen Erscheinung ewig wären verborgen geblieben" und erklärt an anderer Stelle den Unterschied zwischen der Schönheit der Naturgegenstände und der Schönheit eines Kunstgebildes: " Die Natur ist schön, bis an eine gewisse Grenze. Die Kunst ist schön durch ein gewisses Maß. Die Naturschönheit ist den Gesetzen der Notwendigkeit unterworfen, die Kunstschönheit den Gesetzen des höchstgebildeten menschlichen Geistes, jene scheint uns darum gleichsam gebunden, diese gleichsam frei."
Reclam wirbt auf der Rückseite des vorliegenden Büchleins mit folgendem Satz für das Produkt: " Die 50 schönsten und berühmtesten Liebesgedichte der deutschen Literatur, vom Falkenlied des Kürenbergs aus dem 12. Jahrhundert bis zu den Gedichten von Sarah Kirsch und Ulla Hahn."
Schließt man sich Kants Definition des Schönen an, ist es nicht notwendig zu hinterfragen, ob es sich bei diesen Gedichten tatsächlich um die schönsten handelt, bzw. ob diese Gedichte nun auch wirklich schön sind, denn man weiß es sind immer nur höchst parteiische Werturteile über die zu diskutieren nur zänkisch veranlagte Menschen Freude finden.
Lässt man Kants Satz auf sich wirken, erkennt man, dass jede Form von Beckmesserei nicht angebracht , sondern bloßer Ausdruck von Kleingeistigkeit ist. Wer aber möchte schon als kleingeistig gelten?
Hans Wagner legt bei seine Gedichtsauswahl ein verstärktes Gewicht auf die Liebeslyrik des 20. Jahrhunderts und begründet dies damit, dass diese Lyrik dem Leser näher stünde als früherer Epochen. Dies hindert ihn allerdings nicht Gedichte von Walter von der Vogelweide , Paul Fleming , Klopstock und vielen anderen ebenfalls vorzustellen.
Legte Heinrich Heine noch Wert auf die Balance sentimentaler Innerlichkeit und ironischer Distanz, wird sich später primär Illusionslosigkeit und die Reduktion der Gefühle in Liebesgedichten niederschlagen. Die Liebe scheint nun vom Alltag zerrieben zu werden. Jetzt werden verstärkt Einsamkeit, Verlassenheit und Untreue thematisiert.
Können solche Liebesgedichte noch schön sein?
In Wagners Augen aber auch in meinen sehr wohl. Beurteilen sie jedoch bitte selbst.
In meiner Rezension zu Brecht-Gedichten habe ich dessen " Die Liebenden" bereits vorgestellt und möchte den Inhalt ebensowenig wiederholen wie Rilkes "Liebes-Lied", das ebenfalls von mir bereits thematisiert worden ist. Diese beide Gedichte gehören zu meinen persönlichen Favoriten.
Wagner weist darauf hin, dass mittlerweile ebenso viele Frauen , wie Männer Liebesgedichte schreiben. Dies war leider nicht immer so.
Folgendes Gedicht einer Frau möchte deshalb ich an dieser Stelle vorstellen , es aber deshalb keineswegs über die andere 49 Gedichte erheben.
Ein Liebeslied
Komm zu mir in der Nacht- wir schlafen engverschlungen.
Müde bin ich sehr, vom Wachen einsam.
Ein fremder Vogel hat in dunkler Frühe schon gesungen,
Als noch mein Traum mit sich und mir gerungen.
Es öffnen Blumen sich von allen Quellen
Und färben sich mit deiner Augen Immortellen...
Komm zu mir in der Nacht auf Siebensternenschuhen
Und Liebe eingehüllt spät in mein Zelt.
Es steigen Monde aus verstaubten Himmelstruhen.
Wie wollen wie zwei seltene Tiere liebesruhen.
Im hohen Rohre hinter dieser Welt.
Elke Lasker-Schüler( 1869-1945)
Schön, nicht wahr?
Im Anschluss an die 50 Gedichte findet sich ein Verzeichnis der Autoren und Druckverlage, das ihnen Vorschläge zu Weiterlesen unterbreitet.
Kurze Bemerkung zum Schluss: Gut gewählt ist das Motiv auf dem Buchdeckel: "Der Kuss" von Gustav Klimt! Ist doch ein Liebesgedicht schließlich ein gedanklicher Kuss, der den erhofften tatsächlichen vorwegnimmt.
Empfehlenswert!
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"Ganz war mein Herz an deiner Seite" (Goethe)
Nirgendwo kommen die Erfahrungen über Jahrhunderte so deutlich zum Ausdruck wie in der Dichtung, nirgendwo wird auf so visionäre Weise künftige Zeit vorweggenommen. 50 Gedichte über acht. Jahrhunderte - sie alle haben sich, jedes auf seine Weise, mit ihrer Zeit und der Liebe in ihr auseinandergesetzt. 50 Gedichte, die in unserer Zeit jede Woche zur Reflektion und gegenseitiger Beteuerung anhalten könnten. Wenn man will, kann man so sich ein Jahr der Liebesbeteuerungen gönnen, aus den Vorgaben die für sich wichtigsten Botschaften nehmen, als Erwartung als auch als Geschenk. Man mag nun einwenden, dass die gewählte Sprache der Dichter nicht zeitgemäß ist. Ja, ein wenig in die
Gedanke
n und in die Sprache eintauchen sollte man, doch dieses ist nicht schwer, geht es doch darum, das aktuelle Empfinden der/dem Liebsten gegenüber nachzuspüren und ggf. neu zu beleben. Ein Jahr lang sich wöchentlich um die Schwüre kümmern, ist
Wunsch
und Gedanke, und der Titel: "Du
bist
mein" ist schon Anhalt genug.
Der Beginn dieser Zusammenstellung der 50 Gedichte der deutschen Literatur konnte nicht besser starten, als mit Dem von Kürenberg, der die Liebe bereits mit der Freiheit verband. Sein Gedicht vom Falken endet mit der Freiheit des Zusammenseins: "got sende si zesamene die gerne geliep wellen sîn!" Walther von der Vogelweide vermochte nicht besser Liebende und Natur beschreiben in seiner Minne als mit dem immer wiederkehrenden Lustvers "tandaradei - " und mit dem Ausruf wird bereits die Liebe als hohe Sehnsucht und letztendlich als "im Traume reich" erkannt.
Allen Gedichten ist eigen, unabhängig von Zeit und Sprache: Liebe, Sehnsucht, Traum und Freiheit. Diese Quadriga wenn man so will, durchzieht die Geschichte der
Liebesgedichte
bis in die heutige Zeit. Und hinter diesen Begriffen entsteht die Anbetung der Geliebten, der Wunsch der Tugenden nach "treuen Herzen", der "zu überwindende Schmerz", die vielfältigen Wünsche nach Gunst, Glück, Reichtum und vor allem Schönheit. Lust und gelebte Liebe fehlt nicht minder. Bei Hoffmann von Hoffmannswaldau findet man: "Albanie / was quälen wir uns viel / Und züchtigen die nieren und die lenden? Nur frisch gewagt das angenehme spiel / jedwedes glied ist ja gemacht zum wenden / Und wendet doch die sonn sich in die höh. Albanie." "Du mein anderes Ich" zeigt die vollständige Metamorphose der Liebenden, die Zwei in Einem, einer Verschmelzung gleich. Und wenn es nur zur Klopstocks Hoffnung reicht, dass nach dem Tode das erreicht wird was gesellschaftliche Konvention vereitelte: "Dann wird der Tag seyn, [...] / Dann trennt kein Schicksal mehr die Seelen, / Die du einander, Natur, bestimmtest".
"Ganz war mein Herz an deiner Seite / Und jeder Atemzug für dich" und weiter "Warum gabst du uns die tiefen Blicke, / Unsere Zukunft ahnungsvoll zu schauen", denn: "Ach, so viele tausend Menschen kennen, / Dumpf sich treibend, kaum ihr eigenes Herz," liest man bei Goethes Willkommen und Abschied, der in der Qual des Gesamten die Hoffnungen, Wünsche auf die Erde holt, den Schmerz der Sehnsucht besingt, "In deinen Küssen, welche Wonne" hinüberleitet zu Hölderlin und seiner ungestillten Sehnsucht und mit diesem neuen Mute "Grüßt mein Herz die schöne Welt". "Neu von Lebenskraft geschwellt" ist Hölderlins Aufblühen im ersehnten Angesichte seiner ewig unerreichten Geliebten Diotima. "Fühl ich wohl, dass keine Lippe / Solche Sprache führen kann" - so führt uns von Eichendorff in die Romantik und mit der Erkenntnis, Aug in Aug, "ich öffne still im Herzen / alles diesem Blick". Mörikes Peregrina erinnert an die wundersamen dämonischen Geschichten der Spätromantiker, von Eichendorff, Hoffmann und deren Traum-Geschichten vom Marmorbild oder vom Sandmann. "Grün-umranket, eherne Schlangen" als wär's es im Venus-Garten Eichendorffs, "auf seidnem Rasen dort, ach, Herz am Herzen" und doch wie die Marmorstatue der Venus, "Die Liebe, sagt man, steht am Pfahl gebunden, [...] Schön war ihr Wahnsinn, ihrer Wange Glut".
"Wie soll ich meine Seele halten, dass / Sie nicht an deine rührt?" Rilke im 20. Jahrhundert. Eines der schönsten Liebesgedichte, wo die Liebenden zwei Geigensaiten gleich, vom Bogen gestrichen zu einem Ton verschmelzen, "O süßes Lied!" Lasker-Schüler verführt zu einem Ort hinter dieser Welt, eng verschlungenes Liebesruhn verführt die Monde aus dem Versteck. Eng verschlungen in Gedanken, im Fluge, die beiden Brechtschen Kraniche. "So scheint die Liebe Liebenden ein Halt". "Was soll dir noch geschehen? - Erklär mir die Liebe!" zeigt Ingeborg Bachmanns Suche.
Liebe ist nicht von allein gegeben, ein Traum mag ein Traum bleiben, die Angebetete nicht einmal existieren, weil das dichterische Ich das Ideal der Liebe besingt, befiedert und es in der Realität in Dunst sich auflösen würde. Und die modernen Gedichte entbehren dieses Leichte der alten, sie kleben an der der illusionslosen Welt, der Schmerz ist kein Liebesschmerz, er ist real im subjektiven wie objektiven Empfinden. Sie ist "Liebe am Horizont", wie Krechel schreibt, eingesperrt nach dieser kurzen Entlassung in die Öde der einen Nacht, um dann erst stumm, dann sogar taub; oder gar zu einem "Büschel aus Narben" zu werden. "dass er sterblich ist mitten in seinem lebendigen Kuss", berührt den neuen Blick im Alter. "Wie noch nie versicherte ich mich seiner Lippen", keine blinde Liebe, Ulla Hahn sieht den Geliebten "offenen Augen Blutes mit allen Kräften zum ersten Mal".
Die Liebe und Ihre Gedichte bleiben über die Jahrhunderte, die Metaphern, die Allegorien, die Befiederung wechselt, ihre romantische Struktur verfängt sich im Laufe der Zeit, insbesondere im 20. Jahrhundert in der Illusionslosigkeit der harten Wirklichkeit. Liebe und ihr Vers: ein ewig Gleiches und doch eben eine Abhängige der Zeit. Erich Fried hat dieses erkannt, wenn er schreibt: "Wenn ich bei dir bin / ist vieles voller Abschied / und wenn ich ohne dich bin / voller Nähe und Wärme von dir." Auch Benn, der nur der ersten schönen Nacht eine eben durchs Schöne bedingte zweite folgen lassen will. Er jedoch zerbricht die Liebe an seinem gefühllosen Ich und dem expressionistischen Weltbild.
Reclam hat diesen wunderbaren Gedichten eine feierliche Verpackung gegeben; Verzicht auf profanes Gelb aber mit dem zu den Gedichten passenden Bild von Gustav Klimmt: Der Kuss.
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