Traumnovelle | Arthur Schnitzler
Bücher:
traumnovelle
Traumnovelle
Arthur Schnitzler
Reclam, Ditzingen
, 2006 - 123 Seiten
Kundenbewertung:
(50 Bewertungen)
großes Bild anzeigen
weitere Infos, Preis & Bestellmöglichkeit
Kauftipp
Wer unsere Träume stiehlt, gibt uns den Tod. ( Konfuzius)
Der 1862 in Wien geborene Autor spürt in dieser Novelle der Frage nach, ob es besonders klug und feinfühlig ist, den Ehepartner von den eigenen erotischen Traumgebilden in Kenntnis zu setzen, wenn der Angetraute nicht das begehrte Objekt der Sexualphantasie darstellt.
Schnitzler geht es um die Abenteuer im Kopf, um erotische Träume im Schlaf, aber es geht ihm auch um diesbezügliche Tagträume. Führt ein solch verbalsierter Traum dazu, dass Menschen auseinander triften, weil sie einander nicht mehr wirklich vertrauen können?
Fridolin und Albertine sind das vom Autor als in jeder Hinsicht mitteilsam beschriebene, bürgerliche Paar . Sie erzählen einander präzise ihre erotischen Träume und Phantasien, ihr spontanes Verlangen gegenüber anderen Personen.
Wie quälend sich dies auf die eheliche Verbindung der beiden auswirkt, wird facettenreich geschildert.
Wo liegen die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Illusion, zwischen Bewusstem und Unbewusstem? Sind Träume nur Schäume, oder steckt doch etwas mehr dahinter?
Ein psychologisch hochinteressanter, dabei spachlich wunderbarer Text!
weitere Infos, Preis & Bestellmöglichkeit
So geht der Reigen auch nach der Hochzeit weiter
In einer Zeit, in der die standesgemäße Vernunftehe laut aktueller, demographischer Daten eine unerwartete Renaissance erlebt, werden Geschichten wie diese plötzlich wieder modern. Und so erinnert uns dieses kleine und kurze Buch daran, dass es jenseits der Bildungs-, Einkommens- und Hobbykategorien in den Suchmaschinen für Singles im Internet auch die unkalkulierbare Leidenschaft gibt, die unsere Pläne zunichte macht und die rationalen Ideen von Liebe, Beziehung und Ehe schnell an ihre Grenzen führen kann. Und ganz im Ernst: Das ist gut so.
99 Prozent aller Liebesgeschichten enden mit der Hochzeit, oder zumindest mit dem glücklichen Zusammensein zweier Menschen. Aber frei nach Tucholsky: Nach dem Happy End wird immer abgeblendt, denn dann passiert ja nichts mehr, die Situation ist stabil, und die dann folgende Langweile möchte man dem Leser nicht mehr zumuten, oder? Und soll man nicht den Protagonisten ihr Glück lassen, um das so lange gekämpft werden musste? Nun ja, das ist menschlich, entspricht dem Zeitgeist, ist wohl aber dennoch ein Irrtum. Schnitzler ist da etwas klüger. Der Autor ist vor allem für seinen Reigen berühmt, ein Buch, das eine Folge von Liebesakten zwischen Menschen verschiedener Herkunft erzählt, dabei brillante Charakterstudien bietet und tiefe Einsichten in Leidenschaften und Lügen von Menschen vermittelt. Schnitzlers
Traumnovelle
wiederum hat ein Film aus der Versenkung gerissen, es ist die Vorlage zu Eyes Wide Shut, dem letzten, umstrittenen, aber wohl doch genialen Film von Stanley Kubrick. Dieser schafft es, die Handlung nicht nur in unsere Zeit zu versetzen, sondern sie auch noch etwas extremer, klarer werden zu lassen. Und so gibt es einige, in der Summe aber doch kleine Änderungen gegenüber dem Buch.
Hier bei Schnitzler werden wenige Tage im Leben eines jüdischen Arztehepaars in Wien zu Beginn des 20. Jahrhunderts erzählt. Gleich in der ersten Szene führt das Paar einen Dialog über die Leidenschaft, über die erotische Anziehungskraft, die Außenstehende auf das Paar haben. Ein erster, subtiler Höhepunkt: Die Frau gesteht ein, dass sie ihren Mann nicht nur geheiratet, sondern auch gegen alle Konvention ohne Heirat ihre Jungfraulichkeit an ihn verschenkt hätte - wenn er sie, die noch nicht Siebzehnjährige, einfach nur gefragt hätte. Eine wunderschöne Liebeserklärung, und eine wunderbar verdorbene dazu. Und auch die folgende Szene enthält noch eine kleine Botschaft über den Film hinaus, Tod, Krankheit und Alter werden eingeführt als bewusster Gegensatz zur Leidenschaft und Sexualität zwischen Mann und Frau. Auch die Phantasie von Gewalt, von Männlichkeit ausgeübt in einem Duell darf nicht fehlen. Man lebt nur, wenn man das Leben wagt, das scheint hier die Botschaft zu sein. Ein kleiner Gegensatz zum Film, in dem die Handlung eher von der sexuellen Verunsicherung des Ehemanns getrieben ist. Diese kommt hier im Buch auch, aber erst später.
Es folgt die auch aus dem Film bekannte Suche des Manns durch die Abgründe der Großstadt. Und natürlich hat Wien hier viel zu bieten, allem voran die diversen Formen von Prostituierten in der Stadt und die Ausschweifungen der höheren Gesellschaft, hier eine geheime Orgie zu Klavierspiel. Dabei ist Sex natürlich immer mit Gefahr verbunden, er ist lebensgefährlich, buchstäblich. Wie es schon der Titel verspricht, langsam gleicht die Handlung dann tatsächlich einem Traum, wobei es dem Leser nicht gelingt, einen Übergang zwischen der Wirklichkeit und den Traumszenen auszumachen. Sehr geschickt ist das alles geschrieben. Wie im Film auch gibt es dann als Kontrast zum Sexuellen plötzlich das Thema Opferbereitschaft für einen anderen, vielleicht sogar Liebe und Hingabe, als eine unbekannte Frau sich für den falsch handelnden Protagonisten der erforderlichen Bestrafung stellt. Wie im Film auch bleiben die Hintergründe ungeklärt. Man vermutet tiefere Wahrheiten hinter auch unwesentlich erscheinenden Details. Erotik und Geheimnis zusammen ergibt brennende Sehnsucht. Klarer als im Film werden die Parallelen zwischen den Erlebnissen des Ehemanns und dem später erzähltem Traum der Ehefrau. Kann es sein, dass beide eigentlich über dasselbe Erlebnis sprechen, die Frau nur deutlich weitergeht, als es der Mut des Mannes zuließ? Im Buch kann der Mann mit dieser Erkenntnis kaum mehr leben. Er scheint bereit, sein eigenes, bürgerliches Leben mit glücklicher Familie zu zerstören. Aber dann kommt erneut der Tod ins Spiel, und ein ungewöhnlicher Akt des Verständnisses, der geistigen und emotionalen Nähe zweier Menschen sorgt dafür, dass alles wieder ins Lot kommen kann.
Alles im allem erstaunt es, wie es dem Autor gelingt, soviel auf so wenigen Seiten unterzubringen. Und ich kann mich dem Eindruck nicht verschließen, dass man zum Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts - zumindest im Wien von Freud - ein genaueres Bild über den Menschen hatte als wir heute in unserer Zeit. Aber vielleicht war man auch nur einfach ehrlicher zu sich selbst als heutzutage, jedenfalls als Schriftsteller.
weitere Infos, Preis & Bestellmöglichkeit
Magisches Theater
Zwei Ehepartner erfahren eine Umbruchsituation in ihrer Beziehung, als sie sich gegenseitig ihre geheimen Triebe und Wünsche eingestehen. Dann verlässt der Mann, wie Schnitzler seines Zeichens Arzt, das Haus für einen letzten Patientenbesuch und begibt sich so auf eine bizarre Odyssee durch das nächtliche Wien, die bis zum Morgen andauert.
Diese Odyssee ist so atmosphärisch, düster, surreal, märchenhaft, abenteuerlich, spannend, gruselig, mystisch angehaucht, sich zuspitzend und mit ganz viel tiefer Psychologie erzählt, dass es den Leser von der ersten bis zur letzten Seite packt.
Oft liest man von Schnitzlers ganz besonderen »traumhaften« Erzählstil in seiner »
Traumnovelle
«, ohne sich ein genaueres Bild davon machen zu können, wie dies gemeint ist. Ich persönlich fühlte mich oft an den Stil im »Magischen Theater« von Hermann Hesses »Steppenwolf« erinnert. Ich denke das dieser Vergleich noch am Treffendsten ist.
Abschließend möchte ich noch erwähnen, dass das Nachwort zur Ausgabe sehr hilfreich war, um einige autobiographische Bezüge zu verstehen, und auch um nachträglich auf die Besonderheit einiger Passagen hingewiesen zu werden, die man in seinem ersten Leseeifer einfach »überliest«.
Mein erstes Buch von Schnitzler und bestimmt nicht mein letztes.
PS.: Ich freue mich über jede konstruktive Kritik an meiner Rezension.
weitere Infos, Preis & Bestellmöglichkeit
Psychologisches Meisterwerk
Es gibt Autoren, die jahrelang an gewaltigen Wälzern schreiben, ohne in der Welt der Literatur auch nur gesteigerte Beachtung zu finden, und es gibt Schriftsteller, die mit Büchern von knapp 100 Seiten die Literatur nachhaltig beeinflussen. Zur letzteren Kathegorie gehört Arthur Schnitzler. Natürlich ist der österreichische Autor nicht nur durch seine "
Traumnovelle
" bekannt, er hat diverse wichtige Novellen ("Leutnant Gustl") Erzählungen ("Fräulein Else"), Romane ("Der Weg ins Freie") und Theaterstücke ("Reigen", "Liebelei", "Der einsame Weg") geschrieben, doch vor allem durch die kongeniale Verfilmung "Eyes Wide Shut" von Stanley Kubrick gelangte vor allem diese Novelle wieder zu einiger Bekanntheit.
Zwar wird der Film dem Original ganz und gar gerecht, doch lohnt sich die Lektüre des Buches noch immer.
Innerhalb einer Nacht und eines Tages wird das scheinbar glückliche Ehepaar Fridolin und Albertine mit tief in ihrem Unterbewußtsein brodelnden erotischen Phantasien und Wunschträumen konfrontiert. Fridolin erfährt in einem Kaffeehaus von seinem Studienfreund Nachtigall von dessen geheimer Einnahmequelle, er spielt mit verbundenen Augen Klavier bei mysteriösen Veranstaltungen, Fridolin beschließt, sich bei einem dieser Bälle, der noch in derselben Nacht stattfinden wird, einzuschleichen. In einem geliehenen Mönchskostüm und mit der geheimen Parole versehen, erlebt er eine seltsame Orgie in einer Villa, bei der sich als Mönche und Nonnen Maskierte zusammenfinden und sich von bis auf einen Schleier um den Kopf nackten Frauen verwöhnen lassen. Fridolin wird entdeckt, als er eine weitere Parole nicht weiß, doch eine Unbekannte erklärt, sich für ihn opfern zu wollen. Tief verwirrt kommt er nach Hause und hört seine Frau im Bett hysterisch lachen. Albertine hatte einen Traum, in dem sie von einem Mann, von dem sie sich während eines Dänemarkurlaubs angezogen fühlte, verführt wurde und Fridolins Gefangennahme, Folterung und Hinrichtung durch eine mysteriöse Fürstin (in der Gestalt eines Mädchens, das Fridolin sehr anzog) erlebte, was sie jedoch nicht dazu bewegte, ihm zuhilfe zu kommen, sondern vielmehr, ihren gekreuzigten Mann zu verspotten. Fridolin ist entsetzt, sieht seine Ehe am Ende. Am nächsten Tag beginnt er, Nachforschungen über die Geschehnisse der letzten Nacht zu betreiben, wird jedoch von geheimnisvollen Männern eindringlich davor gewarnt und gibt schließlich eingeschüchtert auf. Zuhause entdeckt er seine Mönchsmaske aus der vorigen Nacht neben seiner friedlich schlafenden Frau. Eine Warnung und zugleich ein Zeichen der Bereitwilligkeit zur Verzeihung...
Die "Traumnovelle" ist ein hervorragendes Beispiel für einen gelungenen psychologischen Roman, die Figuren sind sehr präzise gezeichnet und die emotionale Verwirrung durch die erotischen Ereignisse und Traumeindrücke zweier dem Anschein nach völlig "normaler" Charaktere lassen den Leser einen tiefen Blick ins Innenleben von Fridolin und Albertine werfen. Trotz der Kürze des Buches ergibt sich eine komplexe Handlung mit vielen Querverweisen auf frühere, zeitweise nur angedeutete Erzählstränge und der Leser hat viel Gelegenheit, selbst die Ereignisse und inneren Vorgänge zu analysieren.
Ein wichtiges Werk der Weltliteratur, das man auf jeden Fall gelesen haben sollte, und das nicht nur einmal.
weitere Infos, Preis & Bestellmöglichkeit
Eine Tragödie, über die die Unwirklichkeit eines Traumes liegt.
"Es gibt wenige unter uns, die nicht manchmal vor Tagesgrauen erwacht sind, entweder nach einer der traumlosen Nächte, die uns fast verliebt in den Tod machen, oder nach einer Nacht voller Entsetzen und Alpdruckslüste, die fürchterlicher sind als die Wirklichkeit selber und die von dem starken Leben triefen, das in allem Grotesken lauert ..."
(Oscar Wilde, Das Bildnis des Dorian Gray)
Faszinierend schildert Arthur Schnitzler das parallele, stark erotisch bestimmte Erleben des Paares Fridolin und Albertine. Er ließ sich auf mysteriöse Weise in eine orgiastische Gesellschaft führen - sie ist in die Erregung eines unvergleichbaren Traumes geglitten.
Traum und Wirklichkeit begegnen sich. Im Traum, als erotische Erzählung der Ehefrau an ihren Mann und er als zielloser Wanderer durch die reale Nacht, dem Dunkel. Ihn zwingt es triebhaft in das karnevalistiche Wien, auf einen Maskenball. Die Aufforderung einer Frau, zu gehen, überhört er in Leidenschaft und bleibt trotzig, um dem Neuen, Spannenden, Erlebnisreichen nicht zu entgehen. Es war seine Frau Albertine, die ihn animierte zu diesem Schritt ins Dunkle, seine Sehnsucht mit ihrer erotischen Phantasie anfeuerte, er handelt aus Rache für ihre Phantasie, in der er, Fridolin, nicht mal einen Platz hatte. Beide wollten aus dem normalen Leben raus, aber dennoch das normale Leben beherrschen.
Schnitzler als Vertreter des fin de siecle bringt hier die Themen seiner Zeit, Beziehung, Sexualität und deren individuelle Bedeutung unter und gewinnt damit eine lebenslange Beständigkeit. Noch heute ein äußerst lesenswertes komplexes Buch, welches viel Freiraum für Interpretationen bietet.
weitere Infos, Preis & Bestellmöglichkeit
reviews
:
page 1
,
2
,
3
,
4
,
5
,
6
,
7
,
8
,
9
,
10
Folgende Artikel könnten Sie interessieren
Empfehlungen
Gelesene Bücher 2006
eine tüte buntes
Verfilmte Bücher
traumnovelle
Interpretationshilfe Deutsch: Traumnovelle. Interpretationshilfe ...
Traumnovelle
Traumnovelle: 1925. (Das erzählerische Werk, 10)
Traumnovelle. Erläuterungen und Dokumente
Traumnovelle
Suche nach Büchern
traumnovelle
zufällig ausgewählt
Buch:
Grundlagen und Gedanken, Drama, Geschichten aus dem Wiener Wald
Bitte aktivieren Sie JavaScript, damit diese Seite korrekt funktioniert!