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  Von der Pampelmuse geküßt: Gedichte, Prosa, Szenen | Heinz Erhardt
 
 
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Von der Pampelmuse geküßt: Gedichte, Prosa, Szenen
Heinz Erhardt

Reclam, Ditzingen, 2004 - 95 Seiten

Kundenbewertung:(5 Bewertungen)
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Nette Zusammenstellung, interessantes Nachwort

Das kleine und preisgünstige Büchlein enthält viele der bekannten und lustigen Gedichte von Heinz Erhardt. Wer sich auch etwas mit dem Menschen Erhardt befassen will, der tut gut, das interessante Nachwort zu lesen. Es ist Biographie und Werkbesprechung zugleich. Ein lehrreicher Einblick in das Leben des Dichters, das nicht immer nur unbeschwert war.


Schwache Auswahl

Heinz Erhardt ist einer der stärksten und auch einer der klügsten Komiker der deutschen Sprache. Seine rhetorisch ausgefeilten Balladen, speziell wenn man Aufnahmen sieht, in denen er selbst vorträgt, sind köstlich amüsant.
Im diesem schmalen Bändchen finden sich Gedichte, Prosa und Szenen des Komikers, hauptsächlich allerdings kurze Gedichte. Es sind hier natürlich einige amüsante Texte zu finden, doch muss ich sagen, dass ich die Auswahl für mäßig gelungen halte, nur sehr wenige der etwas längeren aber umso unterhaltsameren Balladen sind hier zu finden. Gerade diese sind meiner Meinung nach das Beste und Amüsanteste was Heinz Erhardt schriftstellerisch hinterlassen hat.
?Von der Pampelmuse geküsst" ist unterhaltsam und gibt einen guten ersten Einblick in das schriftstellerische Schaffen von Heinz Erhardt, ich persönlich würde aber eher ?Das große Heinz Erhardt Buch" empfehlen.


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Er hieß Heinz Erhardt und uns alle willkommen...

Heinz Erhardt war der Großmeister des gediegenen Kalauers, immer haarscharf an den Klippen der Peinlichkeit vorbei hin in Richtung Genie hat er seinen Leihpegasus geritten, schwindelfrei ließ er hehres Bildungsgut über den Abgründen der Trivialität zappeln; in seinen besten Kabinettstückchen hat er das Stegreif-Wortspiel zur hohen Kunst entwickelt. Den Beweis erbringt gleich das erste Gedicht dieser Auswahl, "Anhänglichkeit", mit seinem geflügelten Schlusswort: "Der eine hängt am Leben, / der andere am Strick..."
Aber der Dicke mit dem verschmitzten, liebenswürdigen Augenzwinkern hatte noch mehr im Gepäck, wie diese kleine, thematisch geordnete Auswahl zeigt: Das Spiel mit dem Widersinn der Sprache etwa; seine "Made" z.B. ("Hinter eines Baumes Rinde / wohnt die Made mit dem Kinde") wird mittlerweile zu Recht neben die Meisterwerke Christian Morgensterns gestellt, "der Chor der Müllabfuhr" spiegelt Erhardts kindliche Freude am Wörterverdrehen wunderbar wider, und der "Pestillon von Lonjumeau" dürfte zu den allerkürzesten Parodien der Literaturgeschichte zählen. Überhaupt, seine Balladen-Parodien auf den Eisernen Bestand des Bildungsbürgertums offenbaren wie jede gelungene Parodie ganz neue Seiten des Originals jenseits von Pathos und Patina. Wer's nicht glauben will, lese mal in einem ungestörten Winkel den "Tauchenichts" oder den "König Erl", das "Unwetter" oder "Die Lore"...
Die Schüttelreime wiederum, allen voran die gewürgte Klapperschlang, machten andere Interpreten berühmt, und das "Fräulein Mabel" nimmt völlig unverbiestert Sprachmarotten aufs Korn.
Es ist diese ungezügelte Freude am Nonsens und die augenzwinkernde Demontage scheinbar wohlbekannter Redensarten, die Erhardt einzigartig machen.

Dass Heinz Erhardt auch melancholisch werden konnte, übersieht man oft. Dabei können sich gerade seine melancholischen Gedichte sehen lassen, die -- schließlich stammen sie von Heinz Erhardt! -- bei allem Leiden an der Welt im letzten Moment lächelnd wieder aus dem Sumpf auftauchen. Große Melancholiker erkennt man ja meist daran, dass sie nicht im Weltschmerz baden, sondern, wie "Der Einsame", am Ende doch wieder souverän ans Naheliegende denken.
Der Dichter wirft einen kurzen Blick in den unergründlichen Abgrund, bevor er ihn mit einem drolligen Hopser überwindet. Wunderschön ist z.B. das heiter resignierende "Abendlied"; nicht minder beeindruckend sind die drei Variationen über den Besuch des Todes beim Dichter ("Der Besuch", "Der zweite Besuch", "Der dritte Besuch"), oder "Beethovens Totenmaske" mit einer bemerkenswerten Schlusspointe.

Heinrich Deterings kleine Heinz-Erhardt-Auswahl ist, wie er im Nachwort darlegt, nicht zuletzt seine ganz persönliche Würdigung des unterschätzten Virtuosen. Seine Auswahl folgt nur einem einzigen Kriterium: Er versammelt seine persönlichen Favoriten aus Erhardts Werk, und ich stelle fest: Herr Detering und ich haben ganz ähnliche Vorlieben in Sachen Heinz Erhardt. Jedenfalls fand ich viele meiner persönlichen Lieblinge irgendwo in diesem Heft wieder.
Erfreulich ist, dass man in diesem Reclam-Heftchen auch als altgedienter Erhardt-Fan entzückt Neues entdecken kann (z.B. einige Dialogszenen, oder den "Löwenzahn"). Genauso erfreulich ist es, dass Detering auch einen ausgeprägten Sinn für Erhardts andere Seite hat und vor allem in den beiden letzten Sparten ("Morgen bin ich wieder fröhlich", "Die letzten Dinge") den liebenswürdigen Melancholiker präsentiert -- Melancholie, die's faustdick hinter den Ohren hat.

Sehr gut gefallen hat mir auch Deterings Nachwort; es beginnt mit einer Kurzbiographie, befasst sich aber auch mit den Charakteristika von Erhardts erstaunlich vielseitigem Werk, und es widmet sich auch der befremdlichen Sache, wieso sich dieser geniale Komiker in den 60ern für diese unsäglichen Klamaukfilme hergab, die lange Zeit seinen Nachruhm behinderten.


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kurzweiliger Einblick ins Schaffen

Je älter ich werde, desto schwerer fällt es mir, Gedichte zu lesen. In der Regel, weil diese, je ernster sie sich gebären, umso schwerer zu ertragen sind. Heinz Ehrhardt ist da ein wirksames Gegengift - nimmt er sein Metier doch so wenig ernst und erzeugt dennoch oder vielleicht deswegen ungeahnten Tiefgang. Immer wieder nehmen seine Gedichte oder Sentenzen im rechten Moment den Weg ins Unerwartete - selbst beim Schnellesen amüsiert man sich köstlich.
Dieser Band für lächerliche 3 Euro ist ein wunderbarer kurzer Einblick in sein Werk.


... und nochn Gedicht...

Heinz Erhardts witzig-hintergründiger Umgang mit Sprache ist bis heute unerreicht, ich würde gar behaupten, wird von heutigen Comedians so auch gar nicht mehr angestrebt. So ist er unter den Humoristen sicher einer der klügsten Köpfe! Kennengelernt habe ich Heinz Erhardt vor allem durch seine heiteren Filme der sechziger Jahre. Nett, aber Konzessionen an den Zeitgeist in Hülle und Fülle!

Wie anders hingegen seine wunderbaren Gedichte. Sein Licht stellte Heinz Erhardt wirklich unter den Scheffel, als er einmal sagte: "Ach hätt ich doch nur einen Satz vom Ringelnatz...", denn zeitweise erreicht er das Niveau seiner großen Vorbilder, zu denen auch Erich Kästner gehörte.

Bekannt dafür, sehr hart an seinen Pointen zu arbeiten, erreichte er schließlich eine heitere Leichtigkeit, die nur auf den ersten Blick harmlos herüberkommt.

Diese kleine Auswahl aus der Reclam Universalbibliothek gibt einen schönen Einblick in die (Pampel)Musenküsse eines unvergessenen Künstlers!


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