Und dafür wirkt ihre Interpretation schon recht reif. Objektiv kann man sie vielleicht am ehesten als einfach, schnörkellos und vielleicht etwas naiv bezeichnen - was nicht unbedingt schlecht sein muss. So werden diese Konzerte, die jeder Geigenschüler auswendig kennt (besonders das G-Dur-Konzert), sehr nachvollziehbar, wenn auch überraschungsarm und ohne Raffinement gespielt.
Auf Dauer ist mir das zu wenig - da ziehe ich die streng klassische Spielweise Oistrachs, den schlackenlosen Ton Frank-Peter Zimmermanns (wenn auch lieber ohne die für Mozart zu hörbaren Lagenwechsel) oder die sehr spannende und flexible Deutung von Gidon Kremer (der noch dazu mit den Wiener Philharmonikern unter Harnoncourt die perfekten Begleiter hat) vor.
Trotzdem hätte ich vielleicht vier Sterne geben können, aber da muss ich für das Orchester mindestens einen Ton abziehen: Karajan war - besonders in seinen späten Jahren - alles andere als ein Mozart-Fachmann. Auch hier läßt er die Berliner Philharmoniker sehr "prächtig" spielen, anders gesagt: Zu laut, mit viel Vibrato, unflexibler Artikulation, zähen Tempi, wenig Temperament. Das ist kein Mozart, das ist nicht mal Beethoven, sondern allenfalls Richard Strauss!