Nach seinem preisgekrönten Dokudrama Todesspiel hat sich Breloer der wohl prominentesten deutschen Künstlerfamilie angenommen: den Manns. Vier Jahre lang hat er dafür Material gesammelt und daraus ein faszinierendes Familien- und Künstlerporträt inszeniert. In drei zeitlich begrenzte Episoden unterteilt, wird das Schicksal dieser ungewöhnlichen Familie entfaltet: Teil eins schildert das Familienleben von 1923-1933, Teil zwei behandelt die Flucht vor den Nationalsozialisten und die permanente Suche nach dem rettenden politischen Exil bis 1941, Teil drei erzählt aus der neuen Heimat in Kalifornien von 1942-1955.
Im Mittelpunkt steht der alle überragende Thomas Mann (glänzend gespielt von Armin Mueller-Stahl), hin- und hergerissen zwischen äußerer Disziplin und innerer Zerrissenheit. Stets im literarischen, politischen und sexuellen Konflikt mit sich, seinem Bruder Heinrich Mann (Der Untertan) und den offen homosexuell lebenden Kindern Erika (Sophie Rois) und Klaus (Sebastian Koch), ist der Nobelpreisträger Zeuge seines eigenen Familienschicksals, das er in seinem Roman Die Buddenbrooks -- gleichsam prophezeiend -- bereits vorweggenommen hat.
Meisterhaft verknüpft der Regisseur dokumentarische Aufnahmen und Aussagen von Zeitzeugen mit Spielfilmszenen, um dem überwältigenden Stoff gerecht zu werden. Auf diese Weise zieht der Film den Zuschauer in den spannenden Sog von Familientragödie und Zeitgeschichte hinein, ohne den distanzierten und kritischen Blick völlig aufzuheben. Das filmische Familienporträt dieses Künstlerclans war schon lange fällig, aber zum Glück hat sich mit Heinrich Breloer jetzt ein Regisseur gefunden, der dieser großen Geschichte visuell und erzähltechnisch gerecht wird. Ein außergewöhnlicher Filmgenuss! --Harald Stucke
"Die Manns - ein Jahrhundertroman" ist eine Dokumentation über das Leben von Thomas Mann, seinen Kindern und Verwandten. Das Leben der Familie Mann wird sowohl in Orginaldokumenten (Filmausschnitten, Radiomitschnitte, Briefe), sowie durch eine geniale schauspielerische Leistung von Armin Müller Stahl, Veronika Ferres und co., als auch zum grössten Teil durch die Kommentare von noch (bzw. seit kurzem nicht mehr) lebenden Verwandten, Bekannten und Zeitzeugen des Literaturnobelpreisträgers dargestellt. Besonders hervorzuheben hier die Leistung von Elisabeth Mann-Borghese, die kurz nach den Dreharbeiten verstarb und deren Mitwirken man denke ich als Ihr Lebenswerk bezeichnen darf.
Neben Thomas und seinem Bruder Heinrich Mann, wird von Regisseur Heinrich Breloer insbesondere auf die Leben der Kinder Klaus und Monika Mann eingegangen, die Rolle der Familie Mann im Zusammenhang mit dem NS-Regime beschrieben und die Tragik, die unübersehbar eng mit der Familie verbunden ist und in den Selbstmorden von Nelly Kröger und Klaus Mann ihren Höhepunkt findet, hautnah dargestellt.
Für alle, die vom Film alleine noch nicht genug haben, findet sich auf den DVDs noch jeweils eine Dokumentation, die alle noch offenen Fragen klären dürfte, sowie in der DVD - Hülle Kommentare von Heinrich Breloer und Elisabeth Mann-Borghese.
Fazit:Für alle "Mann - Fans" ein Muss und für alle, die mit dem Namen nicht so viel anfangen können, ein noch grösseres Muss. Literaturgeschichte wird hier ohne Abstriche in Filmgeschichte umgewandelt.
Sehenswert