Der Florentiner kam in jungen Jahren nach Frankreich, wo er das unglaubliche Glück hatte, zum Musikhofmeister von Ludwig XIV. ernannt zu werden. Sein großes Talent stellte er von nun an allein in den Dienst des Sonnenkönigs, der Musik und Tanz als Ausdrucksmittel für seinen absolutistischen Machtanspruch instrumentalisierte. Was uns heute lächerlich erscheinen würde -- so tanzte der König gerne als Sonne verkleidet in übertriebenen Posen --, erschien damals als Sinnbild seiner göttlichen Macht. Der König musste seinem Selbstverständnis nach immer der Beste sein, sei es als Feldherr oder als Tänzer. Doch auch der König stieß an die Grenzen seiner Willenskraft: Sein Versuch, immer schwierigere Figuren zu tanzen, endete mit einem Sturz. Von da an tanzte er nicht mehr.
Im Mittelpunkt des Films stehen zwei Männer: König Ludwig XIV. und Jean-Baptiste Lully, sein Musikhofmeister. Corbiau stellt Letzteren als egomanisches Genie mit wilder Mähne und Attitüden à la Beethoven dar. Das entspricht zwar wohl nicht der historischen Realität des Barockzeitalters, doch ist es der Dramaturgie des Films sicher förderlich. Der Film schwelgt denn auch in opulenten Bildern, zeigt seine Protagonisten in leidenschaftlichen, manchmal rauschhaften Gefühlszuständen, die mit der entsprechenden Interpretation von Lullys Musik korrespondieren. Corbiau hat mit Der König tanzt ein fesselndes Porträt der Epoche von Ludwig XIV. aus ungewöhnlicher Perspektive geschaffen, weit weg vom üblichen Kostümfilmdrama. --Elke Wolter
Blickt man hinter die ganze Pracht, bleibt nicht viel übrig. Wer sich Historizität und eine spannende Handlung erwartet wird enttäuscht sein. Lully wird hier als homosexueller "junger Wilder" dargestellt, der für den König mehr als nur Bewunderung hegt. Den Figuren fehlt es an psychologischer Tiefe. Die Handlung - die eigentlich keine ist - schleppt sich dahin. Regisseur Corbiau ist kein Erzähler von subtilen Geschichten, er setzt allein auf pompöse Schaupracht und auf theatralische Gesten. Leider neigt er auch ein wenig zur Übertreibung. Wenn Lully-Darsteller Boris Terral mit weit ausholenden Armen dirigiert wirkt dies (ebenso wie seine Versuche auf der Violine zu spielen) für mich absolut unglaubhaft und lächerlich.
Den Anspruch eines "Musikfilms" erfüllt Regisseur Corbiau - meiner Meinung nach - absolut nicht. Er setzt allein auf die Macht der Bilder. Lullys grandiose Musik (interpretiert von Reihard Goebel) ist für ihn dabei nur Mittel zum Zweck.