Die gesamte Handlung basiert auf Tatsachen und wurde von John Berendt mit einem ordentlichen Schuss Südstaaten-Flair und ausgeklügelten Personenbeschreibungen zu einem spannenden Roman zusammengefasst.
An diesem Punkt setzt Clint Eastwood an. Die Story ist banal, eine Kriminalgeschichte. Nach der legendären Weihnachtsparty wird Billy Carl Henson tot aufgefunden - der arme Stricherjunge wurde vom exzentrischen Millionär Jim Williams erschossen. Dieser ist außer sich, stammelt von Notwehr. Der gesamte Film schildet die Aufklärung dieses Kriminalfalls.
Ein genialer Schachzug gelingt Eastwood mit der Erschaffung des im Buch nicht enthaltenen Charakters John Kelso (John Cusack in einer Paraderolle). Kelso ist Reporter und Schriftsteller aus New York und wird von Jim Williams eingeladen, als erster Reporter überhaupt von dessen legendärer Weihnachtsparty zu berichten. Williams selbst outet sich als großer Fan von Kelsos bisher einzigem Roman! Als Kelso die Stadt kennen lernt und von der grotesken Atmosphäre berührt wird, packt ihn das Schriftsteller-Gen - und nach der denkwürdigen Mord-Nacht bietet er sich an, den Fall aufzuklären - wenn er als Dank dafür ein Buch über die Geschichte schreiben darf. Williams willigt ein, und fortan befindet sich John Kelso mitten in den Abgründen der Stadt Savannah. Er wird vermischt in einen Strudel von Wahnsinn und Lüge, der gleichzeitig für die Bewohner des Dorfes völlig normal zu sein scheint.
Die Figur John Kelso ist bewusst darauf angelegt, dass der Zuschauer sich mit ihr identifiziert. Kelso reagiert mit völligem Unverständnis auf den tiefen Aberglauben und die abstruse Art der Südstaatler, mit Problemen fertig zu werden. Und im Verlauf der Untersuchungen muss er sich vielleicht eingestehen, dass seine Suche nach Wahrheit nicht immer der beste Weg ist, mit dem Leben fertig zu werden. "Die Wahrheit liegt im Auge der Betrachters!" spricht Williams im Zenit der Handlung und gibt damit offensichtlich die Nachricht des Film wieder: Warum in Wahrheit leben wenn man mit der Lüge und dem Irrglauben besser lebt?
Es bleibt die Frage, warum gerade Clint Eastwood diesen Film gedreht hat. Vielleicht wäre die Handlungen wirklich in den Händen eines David Lynch besser aufgehoben gewesen. Das gute an Eastwood ist aber, dass er absoluter Experte für Charakterisierungen und Atmosphäre ist. Die Personen sind selbst bei kleinesten Auftritten scharf gezeichnet und werden durch die hervorragenden Schauspieler noch klarer (einzige Ausnahme ist Eastwoods Tochter Alison, die ihre Figur nie wirklich in den Griff bekommt). Am besten ist aber (wie in fast jedem Eastwood-Film) die Atmosphäre gelungen! Bereits beim Vorspann, wenn die Kamera über einen See schwenkt und eine winterliche Südstaaten-Landschaft preis gibt, wird man von der grotesken Stimmung gefangen, die der Film transportieren soll. Dazu passend wird der Film mit sehr ruhiger Musik untermalt. Die ganze Atmosphäre wirkt unwirklich und tot! Und Minerva wird nicht müde zu erwähnen, dass Savannah die "Stadt der Toten" und "tiefstes Voodoo-Land"! Eine Belehrung für alle, die das Voodoo-Land in Schwarzafrika gesucht haben: Voodoo-Land ist da, wo Voodoo als wahr ist. Und wenn die Wahrheit im Auge des Betrachters liegt, dann ist Savannah wirklich das Voodoo-Land Nr. 1!