Im Vergleich zu Shine aalt sich Hicks in seinem neuesten Film geradezu in atmosphärischen Stimmungen. Die Handlung versteckt sich wie zufällig sprießende neue Triebe in einem überwältigenden Regenwald, hinter dem entschlossen Auge des Regisseurs für Wasserfarbkompositionen und wechselnde Perspektiven. Es ist unmöglich, nur die Position des selbstgefälligen Beobachters einzunehmen, denn Hicks meditativer Stil zieht einen unweigerlich in seinen Bann und lässt die Geschichte förmlich in der Fantasie des Zuschauers entstehen. Diese Herangehensweise macht ästhetisch Sinn, denn Gutersons Geschichte bettet ein Gerichtsdrama in träumerische Sequenzen ein, und Hicks ist entschlossen, dieses zu reflektieren. Auch wenn das bedeutet, die Vorstellung, die der Zuschauer von einem Handlungsverlauf haben mag, völlig auf den Kopf zu stellen.
Dabei erhält er tatkräftige Unterstützung vom Wetter des pazifischen Nordwestens: Der Film spielt auf einer der San Juan-Inseln im Staate Washington, wo der Regen auf einzigartige Weise Erde und Himmel umschließt. Dort steht kurz nach dem Zweiten Weltkrieg ein japanisch-stämmiger amerikanischer Kriegsheld (Cary-Hiroyuki Tagawa) vor Gericht, weil er einen weißen Fischer ermordet haben soll. Seine Frau (Youki Kudoh) ist die frühere Highschool-Liebe des Lokaljournalisten (Ethan Hawke), dessen Verbitterung über den Verlust dieser Liebe sowie über seine Hilflosigkeit während der Internierung der Japaner und über die Last des journalistischen Vermächtnisses seines Vaters (Sam Shepard) ihn zunächst davon abhält, bei der Verteidigung des Angeklagten Hilfe zu leisten.
Diese Art historischer Fiktion funktioniert, wenn man sich die Relativität der Zeit (mal fließend, mal stillstehend, mal tropfend) bewusst macht. Ironischer Weise ist das kommerziellste Element des Films, der Prozess, gleichzeitig der uninteressanteste Aspekt der Geschichte, obwohl Schauspiel-Routinier Max von Sydow als listiger Verteidiger diese Szenen sehr unterhaltsam gestaltet. --Tom Keogh
Die schauspielerische Leistung der beiden Kinder in Kapitel 5 sollte einmal hervorgehoben werden. (Es läßt - wer es erlebt hat - an eigene Kindheitsgefühle zurückdenken.) Allerdings hat man eigentlich bei allen Schauspielern dieses Films den Eindruck, dass sie das, was sie spielen, auch tatsächlich im Moment des Spielens SIND. Zartheit und Sensibilität durchziehen den gesamten Film.
Der sensible Kommentar des Regisseurs Scott Hicks zum Film auf DVD sollte man sich nicht entgehen lassen.
Es ist ein Film, in dem alle Details eine tiefere Bedeutung haben, ein Film mit Langzeitwirkung, den man sich also nicht nur einmal anschauen sollte.
Nur ein anderes Ende hätte ich verfaßt: Wer sich schon als Kind so liebt, der sollte nicht den Konventionen seiner Eltern gehorchen, sondern ein Leben lang zusammenbleiben.M. Wendt
Das Warten hat sich gelohnt, die Geschichte ist sehr nahe am Buch geblieben und wunderbar umgesetzt worden.Ethan Hawke spielt Ishmael Chambers, den Redakteur der einzigen Zeitung der Insel. Er klärt das Verbrechen auf, welches angeblich der Ehemann seiner einzigen, grossen Liebe verübt haben soll. Dabei arbeitet er nicht nur seine eigene Vergangenheit auf, sondern stösst auch auf den seit dem Krieg aufgestauten Hass der Amerikaner auf die Japaner.
Der Film ist gar nicht hollywoodlike und das macht ihn gerade sehr sehenswert.Fazit: Grossartige Schauspieler, sehr gute Geschichte, atmosphärische Bilder und glaubhaftes Ende.
Meine Empfehlung, unbedingt ansehen und geniessen oder zuerst das Buch lesen und spätestens nach dessen Lektüre wird man sehr gespannt auf den Film sein.