1935 komponierte Rezsö Seress in einem Budapester Restaurant die Melodie "Das Lied vom traurigen Sonntag", ein wunderbar melancholisches Stück, welches so schaurig-schön ist, dass es eine Zeit lang einigen Selbstmördern als letzter irdischer Genuss diente und deshalb den Beinamen "Hymne der Selbstmörder" erhielt. Rolf Schübel nutzt die melancholische Grundstimmung des Liedes für sein stringentes Melodram Gloomy Sunday. Nach der Vorlage von Nick Barkows Roman Das Lied vom traurigen Sonntag inszeniert er seine Geschichte um die Macht der Liebe und die Magie der Musik mit viel Gefühl für die Schicksale der Figuren.
Nach einigen Dokumentarfilmen und Fernsehproduktionen zeigt Schübel in seinem ersten Kinofilm großen Mut und erzählerisches Talent. Nie hat man das Gefühl, der unbequeme Stoff könnte ihm entgleiten oder gar ins Kitschige abgleiten. Stattdessen verzaubert er den Zuschauer mit sorgsam komponierten Bildern, einem ergreifenden Soundtrack sowie einem fesselnden Schauspieler-Quartett. Gloomy Sunday ist einer jener deutschen Filme, nach denen man sich so oft sehnt und leider so selten zu sehen bekommt. --Harald Stucke