State:Bislang kannte ich den Film nur in einer gekürzten Fassung. Trotzdem gefiel mir damals die zumeist stimmige Darstellung zweier gegensätzlicher Welten - religiöser Fundamentalismus und Rotlichtmilieu - die knallhart aufeinanderprallen.Dabei ist mit Knallhart allerdings nicht Action a la Stallone und Co. gemeint. In dieser Hinsicht hat der Film nur wenig zu bieten. Noch dazu sind die entsprechenden Sequenzen nicht gerade gut choreographiert, wirken unglaubhaft, sind aber nun mal notwendig um den Abschluss der Metamorphose van Dorns darzustellen. Gerade angeschaut bin ich immer noch begeistert, wie genau die innere Veränderung des prinzipientreuen Calvinisten zu einem rasenden, rücksichtslosen, nur noch sein Ziel verfolgenden Mannes, dargestellt wird. Es ist ein Mann, dessen Familie zu Beginn des Films in Weihnachtsmannkostümen tanzende Frauen als lästerlich empfindet; ein Mann, in dessen Haus mit Hingabe über die Auslegung verschiedener Bibelstellen diskutiert wird, aber auch ein Mann, der viele böse Erfahrungen später dem einzigen Menschen - der ihm wirklich bei seiner Suche geholfen hat - mit Prügel droht, nur damit er sein Ziel schneller erreichen kann.Wenn auch der gesamte Film auf die Person des Jake van Dorn fokussiert ist, so gönnt der Regisseur dem geneigten Zuschauer doch einige Randszenen, die allesamt der Handlung dienen und entsprechend gut ausgearbeitet wurden. So unterhält sich z. B. die ca. 16/17jährige Tochter vor ihrem Verschwinden mit einer Freundin und wird von dieser in die Geheimnisse des "Chicken-Games" eingeweiht. Dabei handelt es sich um eine Vorstufe zum Petting.Unvorstellbar - diese Art der Nichtaufklärung ist in weiten Teilen der USA bis heute gewollt und üblich.
Der Regisseur: Paul Schrader war genau der richtige Mann um diese sich langsam entwickelnde Story zu drehen. Noch besser gelingt ihm die Darstellung einer Charakterveränderung allerdings in "Ein Mann für gewisse Stunden" aus dem Jahre 1980, bis heute einer der besten Filme Richard Geres.
Die Schauspieler...... spielen durch die Bank glaubhaft und wurden perfekt gecastet.George C. Scott spielt Jake van Dorn...stets etwas hölzern und angesichts des Erlebten immer wieder überrascht wirkend, nimmt er die Dinge irgendwann mit einem tiefen kaum sichtbaren Humor, wechselt dabei aber schleichend selber auf die "Böse" Seite und hasst sich dafür.Beste Szene: Als Niki sich bereit erklärt ihm zu helfen huscht für einen Sekundenbruchteil Freude und Erleichterung über sein Gesicht, dann wird es wieder hölzern und unnahbar - denn schließlich ist das Mädel ja eine Hure, ein gefallener Engel sozusagen.Peter Boyle in der Rolle des Andy Mast...ständig ungepflegt herumlaufend, mit Gossensprache um sich werfend, schmierig bis ins Detail.Beste Szene: Kommt bei seinen Ermittlungen zufällig zu einem Schmuddel-Dreh und schaut begeistert geifernd zu. Season Hubley spielt die junge Hure Niki...erwartet von der Welt im Allgemeinen und Männern im Besonderen nichts, trotzdem Lebenslustig, solange man nicht an der Fassade kratzt.Beste Szene: Die erste Begegnung mit van Dorn findet in einer "***"-Box statt. Für ihn und den Zuschauer zwar nicht unerwartet, aber trotzdem überraschend, knallt sie ihre High Heels plötzlich mit Wucht gegen die Trennscheibe, bietet ihm (aber nicht dem Zuschauer) vollen Einblick zwischen die nunmehr weit gespreizten Beine.Um diese Szene wirklich zu verstehen muss man wissen, dass Season Hubley damals ein in den USA sehr beliebter ehemaliger Kinder- und später Teeniestar war, der vorher in den Heile-Welt-Serien "Die Patridge Familie", "All my Children" und "Eine amerikanische Familie" mitspielte. Sie auf diese Art in den Film einzubringen muss für viele ihrer Fans ein echter Schock gewesen sein. Gerade ihr Einsatz aber soll zeigen und untermauern, wie sehr sich ein Leben verändern kann, wie wenig Einfluss Eltern unter Umständen auf den Werdegang ihrer Kinder haben. Grandios und wichtig für den Film auch ihre Schlussszene und das darauf folgende Gespräch zwischen van Dorn und Mast über ihre Person. Die DVD:Das Bild liegt in anamorphen Widescreen im Verh. 1.85:1 vor, weist weder besondere Stärken noch Schwächen auf.Alle Tonspuren - Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch - finden sich in annehmbarem DD-Mono auf der Scheibe.Untertitel gibt's auf Hindi, Arabisch, Portugiesisch, Spanisch, Türkisch, Niederländisch, Französisch, Englisch, Deutsch und Italienisch.An Extras findet der geneigte Filmfan leider genau gar nix - dabei gibt es doch wirklich gute Dokumentationen zum Thema "Runaways". Anmerkung: Vor ewigen Zeiten sah ich den Streifen im amerikanischen TV in einer gekürzten Fassung, also um alle "Nacktszenen" bereinigt. Ob diese kastrierte Fassung auch im deutschen Fernsehen lief entzieht sich meiner Kenntnis, ist allerdings (siehe "Müllers Büro", "Gefährliche Freundin") durchaus anzunehmen. Zu meiner Überraschung scheint diese DVD-Umsetzung Uncut zu sein. Fazit: Film 4-5 Sterne, DVD 1-2 SterneMit Sicherheit kein Film für Action-Fans und F/X-Junkies ist dieser Streifen auf jeden Fall allen Liebhabern gut erzählter Storys und stimmiger Charakterdarstellungen zu empfehlen.Wenn der Titel auch mehr verspricht als er in dieser Hinsicht hält, so sieht man doch eine Menge nackter Haut und ggfs. verstörender Details aus dem "Milieu". Hinzu kommen etliche für die Handlung notwendige verbale Entgleisungen. Wer damit aus religiösen oder sonstigen Gründen Probleme hat sollte sich diesen Film nicht "antun".