Die hier versammelten drei Filme wurden von Trier als "Europa-Trilogie" zusammengefaßt. "Element Of Crime" beschäftigt sich mit einer möglichen (extrem düsteren)Zukunft Europas, in der ein Profiler auf die Jagd nach einem Serienmörder geht, sich aber bald so sehr in dessen Psyche versetzt, daß er dem Drang zum Morden selbst kaum noch widerstehen kann. In diesem Film scheint permanent Nacht zu herrschen und es regnet unaufhörlich. Mit einer Bildsprache, die der Regisseur von seinem großen Vorbild Andrej Tarkowskij ("Solaris", "Stalker") entlenht hat, erzählt von Trier langsam und bedeutungsschwer. Ein Film, auf den man sich völlig einlassen muß, aber mit einer unvergleichlichen Atmosphäre.
"Epidemic" zeigt das gegenwärtige Europa. Ein Regisseur und sein Drebuchautor (Lars von Trier und Niels Vorsel selbst!) entwickeln die Idee für einen Film über eine Epidemie, die ohne deren Wissen plötzlich in der realen Welt ausbricht. Dieser Film (und Film im Film) nimmt mit dem Einsatz von Handkameras und abrupten Schnitten bereits von Triers "Dogma 95"-Kino vorweg, schreckt zunächst wahrscheinlich eher ab, entwickelt in den letzten 15 Minuten aber durchaus eine erschreckende Wirkung, die lange nachwirkt.
"Europa" taucht in die Vergangenheit Europas ein, genauer in das Deutschland "im Jahre Null". Ein naiver deutschstämmiger gerade aus den USA heimgekehrter Eisenbahnschaffner wird hier in Terroranschläge von Nationalsozialisten gegen die Alliierten verwickelt und er ahnt nicht, daß die Frau in die er sich verliebt hat, eine besondere Rolle dabei spielt. Dieser Film begründete von Triers Ruhm, völlig zurecht; insbesondere die filmtechnischen Bravourstücke (Wechsel von Farbe und Schwarz-Weiß, lange Plansequenzen oder anti-naturalistische Rückprojektionen, die das Innenleben der Figuren enthüllen) sind von ganz besonderer Qualität und verstärken die irreale Atmosphäre.
Neben diesen drei abendfüllenden Werken "verstecken" sich als Hidden Features noch zwei frühe Kurzfilme des Regisseurs: "Nocturne", der den Einfluß Tarkowskijs auf von Trier am stärksten dokumentiert, sowie "Bilder der Befreiung", der sich erneut mit der deutschen Nazi-Vergangenheit beschäftigt. Beide Filme erzählen fast allein über ihre hypnotischen Bilder, das gesprochene Wort bringt nur die zentralsten Anliegen vor. Auch die Farbgebung (von Trier arbeitet häufig mit Farbfiltern) ist von ungewöhnlicher Art.
Dazu kommen noch zahlreiche Dokumentationen wie "Das Laboratorium des Doktor von Trier" oder "Triers Element", die die Geschichte dieses Regisseurs beleuchten, zahlreiche Interviews und Anektoten der Schauspieler oder des Drehbuchautors Niels Vorsel, zudem Trailer zu allen drei Filmen.Übrigens liegen "Element Of Crime" und "Epidemic" nur im Original mit Untertiteln vor, aber auch "Europa" sollte man sich im Original zu Gemüte führen, denn nur hier kommt die gesamte Bandbreite der Sprachenvielfalt zur Geltung: Die Filme versammeln dänische, deutsche und englische Dialogzeilen.Nicht nur für Fans ist diese herausragende DVD-Kollektion uneingeschränkt zu empfehlen. Endlich ist Lars von Triers hochambitioniertes Frühwerk auch in Deutschland zugänglich, und das in Spitzenqualität.