Scorsese filmt die Band-Mitglieder und die zahlreichen Gastmusiker mit der gleichen Begeisterungfähigkeit und dem gleichen Fingerspitzengefühl, die seine späteren Spielfilme, wie etwa Die Farbe des Geldes oder Goodfellas, auszeichnen sollten. Darüber hinaus erweist er sich im Gespräch mit den Musikern als ausgezeichneter Interviewer. Das wird besonders bei Frauenschwarm Robbie Robertson deutlich, der mit seinem Schlafzimmerblick gerade in den Großaufnahmen als Star in Erscheinung tritt. Der Knaller ist jedoch die Bühnenshow selbst, bei der eine nicht enden wollende Phalanx an Rock-Legenden (Van Morrison, Joni Mitchell, Paul Butterfield, Bob Dylan u.v.a.m.) gemeinsam mit The Band vor einem begeisterten Publikum abrockt. --Tom Keogh
Doch doch. Es geht tatsächlich.
Minuspunkt für die deutschen Untertitel. Während der Bühnenszenen nerven sie. "Applaus, Beifall" - Konzert für Gehörlose? Dann fehlt noch "Stephen Stills kommt auf die Bühne". "... hat keine Gitarre". "bekommt eine". "spielt mit". So wäre es dann auch in Braille zu lesen... SCNR.
Im Vorspann "Theme From The Last Waltz" werden die Bandmitglieder Levon Helm, Rick Danko, Richard Manuel, Jaime "Robbie" Robertson und Garth Hudson jeweils mit dem von ihnen hauptsächlich gespielten Instrument vorgestellt. Bei "Up On Cripple Creek", dem zweiten Stück, das von (dem als einzigem Nicht-Kanadier unter den Bandmitgliedern aus Arkansas stammenden) Levon Helm gesungen wird, bekommt man bereits den ersten Eindruck von Robertsons unverwechselbarer Gitarrenkunst. Der einzigen American Top 30 Single (1969) folgt dann Highlight auf Highlight, u. a.......
Bei "It Makes No Difference", einer weiteren Komposition Robertsons, bei dem Rick Dankos (1942-1999) sentimentaler Gesang durch einen Gospelchor unterstützt wird, wechselt sich Robertsons gefühlvolles Gitarrenspiel mit Tenorsaxophonpassagen Garth Hudsons ab. Als erster Gastmusiker tritt mit "Mr. Dynamo" Ronnie Hawkins ein alter Weggefährte auf, der mit den Bandmusikern in den Jahren 1960-1963 als "Ronnie and the Hawks" tourte. Gemeinsam mit dem "King of Rockebilly", den Bob Dylan als sein Idol und John Lennon als "Sir Ronnie" bezeichneten, spielen sie den Bo Didley Klassiker "Who Do You Love" von Ellas McDaniels aus dem Jahre 1956. Nachdem mit Neil Young und Joan Anderson, alias Joni Mitchell, zwei weitere Kanadier die Bühne betreten haben, folgt "Helpless", bei der die Folkrocklegende Young selbst zur Mundharmonika greift. Bei "The Weight" fällt besonders Robertsons doppelhalsiges Saiteninstrument (Kombination aus Gitarre und Mandoline) auf. Der aus dem Soundtrack des Kultfilms "Easy Rider" (1969) stammende Song wird von Levon Helm vorgetragen, der von Gospelsolisten und einem -chor unterstützt wird. Mit "The Night They Drove Old Dixie Down" und seinen Bäsersätzen folgt das Lied, durch das Image und der Mythos von "The Band" nachhaltig geprägt wurden. Die Hymne über das Ende der "Konföderierten" machte 1972 die Sängerin Juliane Werding mit ihrer deutschen Version "Am Tag als Connie Kramer starb" bekannt. Songschreiber Neil Diamond kann bei "Dry Your Eyes", das er gemeinsam mit Robertson geschrieben hatte, seine kraftvolle Stimme besonders zur Geltung bringen. Anschließend gibt es ein Zusammenspiel mit dem bereits 61-jährigen Muddy Waters (1915-1983) Die Blueslegende bringt den von Melvin London and McKinley Morganfield komponierten Klassiker "Mannish Boy".
Danach gibt es in "Further On Up The Road" zwischen Eric Clapton (Old Slowhand) und Robertson (dem, lt. Bob Dylan, mathematischen Gitarrengenie) ein historisches Gitarrenduell zweier wahrhaft virtuosen Meister ihrer Zunft. Das Zusammenspiel "Evangeline" mit der "Grande Dame des Country" Emmylou Harris stammt jedoch nicht aus dem Konzert. Dennoch zeigt es einmal mehr die Vielseitigkeit der 5 Musiker von "The Band", die zusammen mehr als 15 Musikinstrumente beherrschen. Fiddle und Ziehharmonika lassen an den französischen Musette(walzer) erinnern und geben ein Gefühl für Cajun(music).Mit grandioser Stimme und dem selbst komponierten und leidenschaftlich vorgetragenen "Caravan" begeistert danach der irische Sänger Van Morrison (von der Gruppe "Them", die 1966 "It's All Over Now Baby Blue performte) das Publikum. Schließlich betritt Robert Zimmermann, alias Bob Dylan die Bühne. "The Band" war Dylans Begleitgruppe, als dieser 1965 auf dem Newport Folkfestival seine Gitarre in einen Elektroverstärker stöpselte und damit den revolutionären Startschuss zum Übergang des Folksongs zum Rock gab. Nach Dylans nasal intonierten "Forever Young" kommt es mit seinem "I Shall Be Released" zum fulminanten Finale -con tutti-, bei dem auch Ex-Beatle Ringo Starr und (der damals neue) Rolling Stone Ron Woods mit von der Partie sind.
Neben Interviews zwischen den Songs bietet auch die zweite DVD weiteres Zusatzmaterial wie Jamsession etc. und der Zuschauer erfährt z. B. wie es zum Namen "The Band" gekommen ist. Nach fast 30 Jahren ist diese Sternstunde mit den wichtigsten Impulsgebern und Protagonisten moderner Rockmusik immer noch grandios und im höchsten Maße hörens- und sehenswert. 5 Amazonsterne!