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  Woyzeck | Klaus Kinski, Eva Mattes
 
 
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Woyzeck
Klaus Kinski, Eva Mattes

Kinowelt Home Entertainment/DVD, 2004

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In Werner Herzogs Filmen werden die Figuren häufig einer physisch enormen Herausforderung unterzogen, die auf die Überprüfung ihrer Belastbarkeit hinaus will. In dem auf Georg Büchners unvollendetem Drama Woyzeck basierenden Film jedoch, ist die Belastung rein introspektiv. Klaus Kinski spielt den Woyzeck, einen verstörten Soldaten, der dubiosen wissenschaftlichen Experimenten und der Misshandlung durch seine Vorgesetzten ausgeliefert ist. Er findet seine einzige Zuflucht in der Liebe zu Marie (Eva Mattes). Als er an ihrer Loyalität zu zweifeln beginnt, schlägt seine Eifersucht schnell in Mordlust um.

Der Film ist formal ungewöhnlich einfach gehalten und erfordert von seinen Schauspielern durch die oft lang anhaltenden Einstellungen eine starke Präsenz. Sowohl Kinski als auch Mattes füllen ihre Rollen aus. Eva Mattes erhielt beim Filmfestival von Cannes die Auszeichnung zur besten Nebendarstellerin, Kinski selbst erzeugt das erschütternde Porträt einer zutiefst verzweifelten, fragilen Seele. Obwohl vor allem für seine Exzesse bekannt, erinnert uns Kinski an seine Fähigkeit zur lebhaften Darstellung des gesamten Spektrums menschlicher Empfindungen. --Bret Fetzer


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Überzeugende Umsetzung des Originals

Zunächst einmal muss man Werner Herzog sehr viel Respekt zollen, dass er sich an so ein Stück wie Büchners ?Woyzeck' ?herangetraut" hat.
So steht man bei einer Vorlage diesen Formates zuerst vor dem Problem der Szenenabfolge. Doch hat Herzog die im Theater gängige - und wahrscheinlich auch logischste - Reihenfolge übernommen.
Das nächste Problem: Die Wahl der Schauspieler. Auch hier bewies Herzog seine Brillanz als Regisseur: Wunderbar in der Rolle des etwas weltfremden und über Moral und Tugend sinnierenden Hauptmannes ist Wolfgang Reichmann. Und auch Willy Semmelrogge wird der Rolle des immer ?forschenden" und experimentierenden Arztes gerecht. Großartig ebenfalls Eva Mattes als Marie, über die Herzog in dem Interview mit Laurens Strauch (als Bonusmaterial auf der DVD) sagt, dass sie die Idealbesetzung für die Marie sei und dass er ohne ihre Zusage den Film wohl nicht gedreht hätte.
Doch als absoluten Höhepunkt des Films muss man wohl Klaus Kinski als Woyzeck bezeichnen. Zwar hatte Herzog nach eigenen Aussagen erst den aus Stroszek bekannten Bruno S. für die Rolle des Woyzeck im Sinn, doch merkt man beim Ansehen des Filmes, dass es keinen Geeigneteren als Kinski gibt. Er geht voll und ganz in der Rolle auf und besitzt diesen besonderen Ausdruck, der ihn als Woyzeck ausmacht und mit dem er den Text so überzeugend rüberbringt.
Mit dem Text hat sich Herzog sehr nah an die Vorlage gehalten, was das Stück dialogisch sehr dicht gemacht. Und auch kameratechnisch gesehen hat Herzog sich durchaus etwas Interessantes einfallen lassen.
Ebenfalls auf der DVD: Ein Interview mit Herzog, geführt von seinem Freund und Filmverleger Laurens Straub. Allerdings ist es nur das Tonmaterial, denn die Dichte des Dialoges ver- oder behinderte einen Direktkommentar zum Film.
Was die Musik im Film angeht, kann man sagen, dass sie sehr passend gewählt ist, denn sie unterstreicht die z. T. recht düstere Stimmung und vollendet das Stück zu einer insgesamt sehr gelungenen und überzeugenden Umsetzung der doch eher schweren Kost von Büchner.
Dazu trägt natürlich auch die sehr gute und authentische Ton- und Bildqualität bei, die daher rührt, dass Herzog keine Nachchronisierung vornahm und viele Szenen - meist ohne Proben- nur ein- bis zweimal gedreht wurden.
Dass der Film in nur 17 Tagen fertig gedreht und geschnitten war, mag man trotzdem kaum glauben, doch zeugt es wieder einmal von der Genialität Herzogs und natürlich auch Kinskis, der dem Ganzen den letzten Schliff verlieh.
Für Freunde der Filme Herzogs und Kinskis ein absolutes Muss und ganz sicher auch ein Hochgenuss ihres Könnens!


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Werkgetreue Verfilmung des ersten deutschen Sozialdramas

Mit "Woyzeck" gelang Werner Herzog eine werkgetreue Adaption des Georg Büchner Sozialdramas. In der Titelrolle brilliert der deutsche, für seine Exzentrik bekannte Schauspieler Klaus Kinski, der vor "Woyzeck" bereits drei Filme mit dem nicht minder eigenwilligen Herzog gedreht hatte. Nur eine Woche vor Drehstart der Büchner-Verfilmung beendeten sie ihr gemeinsames Projekt "Nosferatu: Phantom der Nacht", eine Rolle, die Kinski enorm viel abverlangte. Doch diese Tatsache half dem deutschen Marlon Brando, sich besser in seine neue Rolle hineinversetzen zu können, denn diese Ausgelaugtheit und Passivität, die er als Woyzeck an den Tag legt, ist nur zum Teil gespielt. An seiner Seite begeistert vor allem Eva Mattes als Marie, die sogar bei den Filmfestspielen von Cannes 1979 den Preis als beste Nebendarstellerin entgegen nehmen konnte.

Von Beginn an legt Herzogs Film eine absolute Trostlosigkeit an den Tag. Beginnend mit dem Schwenk über das Städtchen, etabliert Herzog den Handlungsort. Direkt darauf folgt der filmisch gesehen vielleicht überzeugendste Part, nämlich der Vorspann, in dem Kinski als Soldat Franz Woyzeck mit unerbittlicher Härte gedrillt wird. Die Szene wirkt direkt verstörend und unbequem auf den Zuschauer, untermalt von einem sehr atmosphärischen, unharmonisch klingenden Fiedel-Thema, das einem schon sehr früh den mentalen Zustand des Protagonisten deutlich macht. Der Vorspann ist mit erhöhter Geschwindigkeit gefilmt, wodurch sie mit den Klängen der Musik noch unheimlicher wirkt. Dennoch wirkt die Szene auch in gewisser Weise humorvoll. Die Szene gibt sozusagen den Ton für den restlichen Film vor, in dem der von Wahnvorstellungen heimgesuchte Woyzeck geschunden wird. Stilistisch bewegt sich der Film auf recht einfachem Niveau im Vergleich zu Herzogs anderen, visuell weitaus beeindruckender wirkenden Werken. Der Film wirkt bisweilen extrem statisch, da Herzog ewig lange Einstellungen verwendet. Insgesamt enthält der 80 Minuten lange Film nur die rekordverdächtige Anzahl von 27 Schnitten, nur die allerwenigsten Einstellungen sind in Bewegung. Somit ordnet sich der Regisseur seiner Hauptfigur regelrecht unter, denn Werner Herzog geht es nicht darum, den Zuschauer zu unterhalten, sondern ein durch und durch stimmiges Charakterporträt zu zeichnen. Das ist bisweilen nur schwer verdaulich, doch wenn man seine Intention zu verstehen versucht, auch genial gemacht. Trotzdem wirkt die Regie teils gelangweilt, auch wenn man das als übertriebenen Stilwillen bezeichnen kann. Die Außenszenen wirken oft nahezu menschenleer, obwohl die im Film dargestellte Stadt nicht unbedingt die kleinste ist. Dadurch erhält "Woyzeck" ein zusätzliches beklemmendes Element, da die Größe mit einer gespenstischen Leere gegenüber gestellt wird. Doch "Woyzeck" ist vor allem eine One-Man-Show. Die nachhaltige Wirkung des Films geht zum größten Teil auf die Rechnung von Klaus Kinski, der mit seiner Rolle die Grenzen überschreitet. Er spielt nicht nur diese bemitleidenswerte Figur, er wird zu ihr. Schon in der ersten Einstellung des Vorspanns erblickt man den Wahnsinn in Kinskis Augen. Ein Blick in sein Gesicht genügt, um diesen Charakter verstehen zu können. Seine Mimik, seine ganze beängstigende Präsenz wirkt auch noch nach dem Film weiter. Ohne Zweifel trägt er den Film, er macht einen großen Teil der immensen Intensität aus. Kinskis elektrisierende Performance erhält ihren unbestreitbaren Höhepunkt in der Mordszene am Ende, die unerträglich brutal ist, jedoch kommt sie ähnlich wie Hitchcocks "Psycho" Duschszene ohne grafische Details aus. Sie ist verlangsamt gefilmt und lebt im Prinzip von Kinskis Darstellung. Sein Blick drückt absoluten Wahnsinn und innere Zerrissenheit aus, dass es dem Zuschauer Angst und Bange wird. Eva Mattes gibt ebenfalls eine mehr als solide Leistung ab, kann jedoch nicht mit der von Kinski konkurrieren. Trotzdem erfüllt sie voll und ganz ihr Soll und stellt Marie perfekt dar. Herzog arbeitet mit dem Originaltext, wodurch der Film zwar noch gewöhnungsbedürftiger wird, dafür aber auch authentischer.

"Woyzeck" ist einer der unbekannteren Werner Herzog Filme. Er ist fordernd und regt zum Denken an, dies ist jedoch größtenteils Klaus Kinskis und natürlich Georg Büchners Verdienst, denn Herzog ordnet seine Regie dem Thema völlig unter. Der Film bleibt somit hauptsächlich wegen Klaus Kinskis Darstellung in Erinnerung, die Verfilmung an sich ist solide, auch wenn sie gelegentlich Herzogs großes visuelles Talent aufblitzen lässt.



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Klaus Kinski ein Woyzeck der überzeugt

Werner Herzog hat in seiner Literaturverfilmung von Büchners Woyzeck die wohl passendste Besetzung für die Rolle des Woyzeck gefunden.
Klaus Kinski in der Rolle des Woyzeck überzeugt so sehr, dass man das Gefühl hat er würde eins mit der Dramenfigur der Unterschied zwischen Schauspieler und Hauptfigur des Dramas ?verschwimmt" fast bis zur Unkenntlichkeit.
Sehr deutlich zeigt Klaus Kinski dem Zuschauer wie verhetzt und in Eile Woyzeck jedes Mal ist, das erinnert an den Hasen von Alice im Wunderland, der immer wieder ganz verhetzt zu verstehen gibt: er habe doch keine Zeit, nur das es bei Woyzeck keiner Worte bedarf und Klaus Kinski allein durch seine Mimik, seine Körperhaltung und Bewegungen dem Zuschauer vermittelt, dass er mal wieder in Eile ist.
Aber nicht nur Klaus Kinski, sondern auch Werner Herzog verdient Lob, denn er hat es dem Zuschauer ermöglicht Kinski in dieser Rollenbesetzung zu sehen. Des Weiteren hat Herzog es geschafft, durch die Szenenfolge sehr deutlich zu machen, wie Woyzeck sich immer mehr in den Wahnsinn hineinsteigert, bemerkenswert ist dabei, dass Herzog keine Literatur von Woyzeck gelesen, sondern die Szenenfolge selbständig erarbeitet hat.
Und nicht nur Klaus Kinski, sondern auch die anderen Schauspieler wie Eva Mattes als Marie, Wolfgang Rüchmann als Hauptmann und Willi Semmelrogge in der Rolle des Arztes überzeugen und stellen ihr schauspielerisches Talent dar. Dieses ?Echtwirken" der Schauspieler, wird durch die Filmkostüme unterstrichen, welche sehr authentisch wirken und dem Zuschauer ermöglichen ganz in ?die Welt des Woyzecks" einzutauchen.
Alles in allem ist die Verfilmung von Herzog sehr gelungen und durchaus empfehlenswert.


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Ein schwindelerregendes Schauspiel

Nicht im Entferntesten würde man vermuten, dass der Zeitunterschied zwischen dem Dreh von ?Nosferatu" und ?Woyzeck" nur lächerliche 5 fünf Tage beträgt.
Man bemerkt weder eine Ausgelaugtheit Herzogs noch ein Leergebranntsein Kinskis, der in beiden Filmen die Rolle des Protagonisten übernimmt, wenn auch für Woyzeck zuerst Bruno S. vorgesehen war. Im Gegenteil, der von Herzog als ?Großer Vernachlässigter des Neuen Deutschen Films" bezeichnete Künstler überzeugt durch eine schauspielerische Leistung, die sich durch enorme Glaubhaftigkeit und Intensität auszeichnet. Nicht nur dem Hauptmann schwindelt es vor den Menschen, sondern ebenso dem Zuschauer, wenn er in das verzerrte, exzentrische Gesicht Woyzecks, bzw. Kinskis blickt. Für mich verkörpert dieser den perfekten Woyzeck, sowie sich auch Eva Mattes als die optimale Besetzung für ?Marie" herausstellt, was sich spätestens auf den Filmfestspielen von Cannes 1979 bestätigte. Auch wenn die musikalische Untermalung der Szenen oft bizarr bis unpassend erscheint, so gelingt es Herzog dennoch durch das Setzen von musikalischen Klammern, das Stück gelungen zu umrahmen und abzurunden. Auch die von dem ein oder anderen als primitiv geschimpften, sich scheinbar nie ändernden Kameraeinstellungen und der unsanfte Sequenzwechsel sind doch, mit Logik betrachtet, auf den Fragmentcharakter des büchnerischen Werkes zurückführen, bei dessen visueller Umsetzung sich Herzog in Originaltreue übt. Hinsichtlich des Textes gibt es kaum Abweichungen zu der Dramenvorlage Büchners. Die einzig einschneidende Veränderung, die Herzog vorgenommen hat, ist die Umstellung der Sequenzfolge, welche einen neuen, inhaltlich besser nachvollziehbaren Handlungsablauf darlegt.
In dieser Verfilmung Woyzecks gelingt es in expliziter Weise die Demütigung und Determiniertheit des Füsiliers darzustellen, was wohl nur durch das stimmige Zusammenwirken von schauspielerischer Leistung und Eigenvermögen des Regisseurs ermöglicht wird.


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Klassische Deutsche Literatur und Neuer Deutscher Film - vom Feinsten

Man muß sich klar machen, daß Werner Herzog der absolute Büchner-Woyzeck-Fan ist (und das meiner Ansicht nach zu Recht). Woyzeck sei das einzige wirklich haltbare Theaterstück der deutschen Literatur, behauptet Herzog sinngemäß in dem mündlichen Kommentar zum Film (der zu den wertvollen Extras der DVD gehört). Sehr gut! dieses Drama würde noch nach Jahrhunderten seine Geltung bewahren. Da kann man nur sagen Leider ja - da ja die dt. Gesellschaft Beziehungsdramen nach wie vor rein psychiatrisch und juristisch abhandelt, und die Grundproblematik, die solche Dramen real erzeugt, immer noch virulent ist (und implizit lt. Werner Herzog weiterhin virulent bleiben wird!). Es ist dies (meines Wissens) offenbar kein adäquates Thema für die Soziologie, die Thematik wird der Psychiatrie und den Juristen überlassen. Da kommen sich die soziologischen Universitätsmenschen vermutlich zu vornehm dazu vor, obwohl fast jeden Tag eine Kurzmeldung über ein Beziehungsdrama in den Zeitungen erscheint. Folglich bleiben nur so angeblich kuriose Leute wie (Dramatiker) Georg Büchner (1836), (Filmemacher) Werner Herzog (1979), und (Filmemacher) R.W. Faßbinder (Beziehungsfilme in den 70er Jahren) für dieses Thema - auf eine ansatzweise soziologische Weise - zuständig.

Es handelt sich bei dem Herzog-Film um eine absolut geniale und absolut adäquate Verfilmung von Georg Büchner! Klaus Kinski ist die wahrlich beste Rollenbesetzung für den armen Teufel, der hier um sein Leben geprellt wird. Die Marie (gespielt von Eva Mattes und dafür mit Goldener Palme preisgekrönt), sein einziger Lebenslichtblick, verliebt sich in einen . Diese unendliche (gesellschaftliche) Kränkung, und damit den Untergang seines psychischen Lebens, kann Woyzeck nicht verwinden. Er bringt Marie um. Und anschließend natürlich sich selber, da er ja nun definitiv sein (gesellschaftliches und psychisches) Leben verloren hat. Gerichtsdiener:



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