Durch seine Arbeiten für die breitenwirksamen Shrek, Sinbad, Spy Game, Chicken Run und Kingdom Of Heaven empfahl sich Harry Gregson-Williams als Komponist auch für diesen Familienfilm. Regisseur Andrew Adamson (Shrek 2) hatte dafür aus dem siebenteiligen Fantasy-Bestseller Die Chroniken von Narnia des Briten C.S. Lewis den zweiten Band (Der König von Narnia) ausgewählt, der zum Kinostart übrigens in einer Neu-Übersetzung erschienen ist. Mit 100 Millionen Dollar Produktionskostenaufwand wird während 140 Minuten erzählt, wie vier Geschwister durch Zufall in ein verwunschenes Zauberreich voller Fabelwesen geraten. Dort herrscht wegen dem Fluch einer Hexe Winter. Nur Kinder können diese Eiszeit beenden und der einst herrschenden Großkatze die Rückkehr ermöglichen.
Ob die Parallelen zu Herr der Ringe darauf zurückzuführen sind, dass Buch-Autor Lewis eng mit J.R.R. Tolkien befreundet gewesen ist und sie sich gegenseitig in dem von ihnen gegründeten Literaturzirkel ihre Werke vortragen haben, sei dahingestellt (obgleich seit dem Start dieses bildgewaltigen Kino-Epos die Vergleiche zwischen beiden Leinwand-Adaptionen ständig angestellt werden). Wer nun die Scores zu den Romanverfilmungen vergleicht, dem fallen kaum Überschneidungen auf. Das mag daran liegen, dass die Narnia-Story, ungeachtet der auch dort vorkommenden Schlacht und Zauberei, weniger düster ist. So klingt die Musik, die mit The Los Angeles Recording Arts Orchestra und drei Chören (The Bach Choir, The Choir Of The King's Consort, Sylvia Young Theatre School Choir) plus Lisbeth Scott als Vocal-Solistin eingespielt worden ist, überwiegend getragener, harmonischer, sanfter. Dazwischen gibt es spannungsgeladene Instrumentals. "The Blitz" könnte fast aus einem James-Bond-Abenteuer stammen. Dagegen wandeln die ätherischen "Evacuating London" und "Father Christmas" (mit elektronischer Percussion) auf den Spuren von Enya. Kontrapunkte: das sich dramatisch steigernde "A Narnia Lullaby", die unheimlich böse "The White Witch" oder das heroische "The Battle".
Sehr hörenswert sind ebenfalls die Lieder der vier Singer/Songwriter. Imogen Heap, die bereits Background für Bon Jovi sowie INXS gesungen und diverse Solo-CD aufgenommen hat (z.B. Speak To Yourself), verzaubert im Kate-Bush-Stil. Typisch Alanis Morissette, die Midtempo-Ballade "Wunderkind". Tim Finn (Ex-Crowded House) steuert eine minimalistische Piano-Ballade ("Winter Light") bei. Und Sängerin Lisbeth Scott (CD: Passionate Voice), die schon auf über 100 Soundtrack mitgewirkt hat (u.a. Shrek 1 & 2, Sinbad, Spy Game) interpretiert das sparsam instrumentierte "Where". Dieses ist nicht im Film enthalten, wogegen ihr am Anfang des Streifens eingesetztes "One Breath" auf der CD fehlt!
Wer die 70 Minuten 55 Sekunden gehört hat, kann sich über den Original-Soundtrack ähnlich positiv äußern wie TVSpielfilm es über das in Neuseeland gedrehte Opus getan hat. Zitat: "Narnia hat alles, was das Fantasyherz begehrt!"
Der vorliegende Score ist zusätzlich in einer Sonderausgabe mit Prägedruck-Cover veröffentlicht worden. Thomas Hammerl
Fazit:Trotz einzelner Highlights nur ein insgesamt solider aber nicht wirklich mitreißender Soundtrack, den man nicht unbedingt haben muss.