Sunrise - A Song of Two Humans ist Friedrich Wilhelm Murnaus erster Film in Amerika. Der von Hollywood abgeworbene Starregisseur der Weimarer Republik, der sich mit "Nosferatu" und "Der letzte Mann" einen Namen gemacht hat, verfügte über unbeschränkte finanzielle Mittel. Carl Mayer, der "Hofautor" Murnaus, schrieb Hermann Sudermanns expressionistische Erzählung "Die Reise nach Tilsit" zu einem Drehbuch um, veränderte und vereinfachte die Dreiecksgeschichte und passte sie den Bedürfnissen des amerikanischen Marktes an. Während das glückliche Ende nicht weiter stören würde, ist der klischeehafte Schwarz-Weiss Gegensatz von Stadt und Land, Vamp und unschuldiger Hausfrau für heutige Verhältnisse gar überzeichnet und hindert einen, wenn man sich nicht in einer sentimentalen Gemütslage befindet, daran, die Geschichte ernst zu nehmen.
So besticht Sunrise - A Song of Two Humans auch weniger durch die simple Handlung, als durch die visuelle und formale Schönheit. F.W. Murnau, einer der ersten Regisseure, die mit der "entfesselten Kamera" gearbeitet und so den Film aus seiner Starre befreit haben, schafft wunderbare Bilder: Der Tanz im Mond der Stadtfrau und vor allem der Vergnügungspark mit seinen Spiegeln und Spiegelungen, Lichter und Schatten, gehören zu den schönsten Szenen, die je gefilmt wurden. Hier wird deutlich warum F.W. Murnau nicht so sehr als Erzähler sondern als Künstler in die Filmgeschichte eingegangen ist. Man wünscht sich sehnsüchtig, dass heutige Regisseure auch etwas von Cinematography verstünden: Vom "Schreiben durch Bewegung"!
Die "Special Edition" ist ihr Geld für einmal auch wirklich wert. Neben Making Of und Audiokommentar stechen vor allem die Dokumentation über den verlorenen Murnau Film "Four Devils" hervor und die Drehbücher (Four Devils und Sunrise!) alle in pdf für den Computer. Diese zeigen mit Einstellungsgrössen, Bildbeschreibung und Kamerabewegung, was sich Murnau wirklich gedacht hat! Grossartig!
Fazit: Ein Filmklassiker, vor allem aber ein visuelles Vergnügen!