Lange Zeit bleibt im Dunkeln, warum Carver Gideon jagt, und wer in dieser erbarmungslosen Hetzjagd der Gute und wer der Böse ist. In Rückblenden quälen Erinnerungsfetzen an ein Massaker während des Krieges sowohl Jäger als auch Gejagten. Es ist schließlich Gideon, der einen Weg aus der Gewalt heraus zu suchen scheint, aber seine Gegner lassen ihm keine Wahl. Am Ende stehen sich die beiden in einem mörderischen Duell auf Leben und Tod gegenüber.
Seraphim Falls ist ein exzellent photographierter Western um Schuld und Sühne, der stilistisch an Klassiker wie Der schwarze Falke oder Clint Eastwoods Erbarmungslos erinnert. Wie bei Eastwood geht es auch in David von Anckens schonungsloser Verfolgungsjagd brutal zur Sache. Carver, der sich selbst für den Guten hält, geht längst über Leichen, will sein Ziel um jeden Preis erreichen. Gideon dagegen, der ohne zu überlegen tötet, beginnt zu erkennen, dass die Spirale der Gewalt ein Ende nehmen muss. Äußerst symbolträchtig und surreal aufgeladen läuten schließlich Wes Studi als weiser Indianer und Anjelica Huston als mysteriöse Wunderheilerin das große Finale ein: Jeder muss für das bezahlen, was er getan hat. Jeder hat die Wahl, ob er zur Waffe greift, oder die Erlösung sucht. Liam Neeson und vor allem Pierce Brosnan meistern die körperlichen Herausforderungen ihrer Rollen bravourös und verleihen ihren Charakteren Schatten und Tiefe. Aber die eigentliche Hauptrolle spielt die atemberaubende landschaftliche Kulisse, von Kameramann John Toll (Last Samurai, Braveheart) eindrucksvoll in Szene gesetzt, die das innere Drama der Figuren in episches Format fasst. -- Birgit Schwenger